Schwanger & Job

Wann Vorgesetzte etwas wissen müssen

17.März 2020
Deutsch

Ganz gleich wie dein Verhältnis zu deiner Chefin oder deinem Chef ist, viele Frauen fragen sich, ob und wann sie Vorgesetzte über die Schwangerschaft informieren wollen oder müssen. Schließlich dient das unter anderem auch der Sicherheit des Babys: Schutzrechte können nur gewährt bzw. eingehalten werden, wenn die Schwangerschaft bekannt ist.


Foto: Shutterstock

In Deutschland

§5 Abs. 1 des Mutterschutzgesetzes besagt, dass die Schwangere den Arbeitgeber informieren sollte, sobald die Schwangerschaft feststeht. Auch der voraussichtliche Tag der Entbindung sollte bekannt gegeben werden. Es besteht aber grundsätzlich KEINE Pflicht zu informieren. Es handelt sich hier lediglich um eine Empfehlung zum Schutz von Mutter und Kind.

Eine Ausnahme, d.h. Informationspflicht gibt es für folgende Fälle:

  • bei einem Beschäftigungsverbot durch Schwangerschaft
  • wenn für einen Ersatz eine längere Vorbereitungszeit notwendig ist
     

Achtung, die Schwangerschaft muss bei einem der folgenden Adressaten mitgeteilt werden:

  • Arbeitgeber/in
  • sein/ihr Vertreter/in  
  • oder eine andere Person der Betriebsleitung oder mit Personalveranwortung

D.h. Kollegen oder Betriebsrat gelten nicht.

Der Arbeitgeber/die Arbeitgeberin kann einen Nachweis der Schwangerschaft verlangen. Weiters hat der Arbeitgeber die Pflicht, die Schwangere in einem persönlichen Gespräch über seine Gefährdungsbeurteilung und erforderliche Sicherheitsmaßnahmen zu informieren.

Schwangere genießen einen besonderen Kündigungsschutz. Dieser gilt auch, wenn die Schwangerschaft verheimlicht wurde!

Die Frage nach einer Schwangerschaft im Vorstellungsgespräch ist übrigens unzulässig, d.h. eine falsche Antwort hat keine rechtliche Auswirkung.

 

In Österreich

Auch in Österreich sollte die Schwangerschaft und der voraussichtliche Entbindungstermin dem Arbeitgeber bzw. der Arbeitgeberin gemeldet werden, sobald man davon erfährt. Ab der Meldung gilt nämlich das Mutterschutzgesetz – und damit diverse Schutzbestimmungen. Eine spätere Bekanntgabe hat aber ebenfalls keine rechtlichen Folgen.

Wichtig: in der Probezeit gelten weder Kündigungs- noch Entlassungsschutz des Mutterschutzgesetzes. Es gilt aber als Diskriminierung nach dem Gleichbehandlungsgesetz, wenn das Arbeitsverhältnis wegen der Schwangerschaft beendet wird. Da die Fristen in solchen Fällen sehr kurz sind, solltest du dich sofort an die Arbeiterkammer wenden.

Der Arbeitgeber/die Arbeitgeberin kann eine ärztliche Bestätigung der Schwangerschaft verlangen. Die Schwangerschaft muss von Arbeitgeberseite dem Arbeitsinspektorat gemeldet werden – eine Kopie dieser Meldung erhält die Schwangere.

 

Sonstige Meldepflichten:

  • ein vorzeitiges Ende der Schwangerschaft
  • innerhalb der 4. Woche vor Beginn (28. Schwangerschaftswoche) des absoluten Beschäftigungsverbotes (ab der 32. SSW) muss die Schwangere den Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin darauf hinweisen

 

Praktische Informationen bietet die Arbeiterkammer in einer Broschüre zum Mutterschutz.

 

Und worauf muss ich sonst noch achten?

  • Zuerst mit Chef/Chefin sprechen – dann erst mit Kollegen und Kolleginnen
  • Professionell sein: am besten sofort mit ärztlicher Bestätigung zu Vorgesetzten und alle Vereinbarungen/Bekanntgaben schriftlich festhalten
  • Nicht zu viel Privates am Arbeitsplatz: von Beginn an gilt – auch beim besten Verhältnis zum Arbeitgeber oder zur Arbeitgeberin – nicht jeden privaten Stress, Unsicherheiten oder kleines Zwicken zum Thema machen. Sollte die Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich sein oder Probleme auftreten, am besten zuerst mit dem Arzt oder der Ärztin reden und einen Plan machen, wie man sachlich eine gute Lösung für alle findet.

 

Das könnte dich auch noch interessieren:

Blutungen in der Schwangerschaft – wann ins Krankenhaus?

Babykino deluxe - Das Organscreening

 

 

Quellen:
https://www.arbeiterkammer.at/beratung/berufundfamilie/Mutterschutz/Bekanntgabe_der_Schwangerschaft.html
https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/143/Seite.1430101.html
https://www.bmfsfj.de/blob/94398/36e71549280a602f44d2e35fd1c302f8/mutterschutzgesetz-data.pdf

Sende diese Seite an einen Freund