Schwanger nach Fehlgeburt - vorsichtige Vorfreude

Blog Gastartikel: Von guten Eltern

13.Nov 2018
Deutsch

Mit einer Fehlgeburt geht nicht nur ein Kind verloren. Auch ein Stück der vorherigen Unbeschwertheit fehlt, wenn man nach diesem Erlebnis wieder schwanger ist. Neben der Freude darüber, erneut schwanger zu sein, schleicht sich auch immer etwas Angst in die Gedanken ein. Es ist vor allem die Angst, dass es erneut nicht gut gehen könnte. 

Schwanger nach Fehlgeburt - vorsichtige Vorfreude

Natürlich sind diese Sorgen auch da, wenn es zuvor noch keinen Verlust gab. Doch nach einer Fehlgeburt ist diese Angst meist spezifischer. Es wird in sich hineingehorcht und verglichen. Anzeichen, die es beim letzten Mal vor der Fehlgeburt gab und die nun vielleicht gar nichts damit zu tun haben, wecken plötzlich Gefühle.

 

Gute Hoffnung braucht es

Und trotzdem möchte man gleichzeitig guter Hoffnung sein und daran glauben, dass alles gut wird. Aber es ist mehr Arbeit, sich die ein Stück weit verloren gegangene Unbeschwertheit zurückzuerobern. Dies gilt ganz besonders, wenn Frauen schon mehrfach ein Kind verloren haben. Auch die Statistik, die das Wiederholungsrisiko ja eher reduziert, hilft einem dann nur wenig weiter, wenn sich die Angst gerade um die Ecke schleicht. 

Mut hat es sicherlich auch schon gebraucht, überhaupt einer möglichen Schwangerschaft wieder Raum geben zu können. Und nun ist dieses Baby unterwegs. Unter all den möglichen Sorgen und Ängsten ist sicherlich auch Vorfreude da. Denn die gute Hoffnung braucht es, wenn wir uns darauf einlassen, Eltern zu werden. 

 

Ein paar Dinge können hilfreich sein, sich diese gute Hoffnung in einer Folgeschwangerschaft nach einer Fehlgeburt aufzubauen und zu bewahren:

 

  • Freue dich auf dein Baby ohne Vorbehalt, so wie es sich gerade für dich richtig anfühlt. Oft trauen wir uns das nicht mehr aus der Sorge heraus, dass die Trauer bei einem weiteren Verlust dann geringer ausfallen würde. Aber so funktionieren Gefühle nicht. Wenn du jetzt das erste Babymützchen kaufen möchtest, dann mache das einfach.
     
  • Lasse auch mögliche Ängste und Sorgen zu. Am besten redest du mit jemandem darüber, zum Beispiel deinem Partner oder deiner Hebamme. Im Gespräch relativieren sich so manche Befürchtungen. 
     
  • Baue eine Bindung zu deinem Kind auf, so wie es für dich passend ist. Manche Frauen reden mit ihrem Baby. Für andere wird die auf ihren anfangs noch kleinen Bauch gelegte Hand eine verbindende Geste zu ihrem Kind. Oder du schreibst Gedanken und Gefühle in einem Tagebuch oder in Briefen an das Kind auf. Auch ambivalente Gefühle sind in Ordnung. Wenn Du dir deswegen Sorgen machst, suche dir eine vertraute Person, mit der du darüber reden kannst.
     
  • Probiere Entspannungstechniken aus, die du anwenden kannst, wenn die Anspannung zu groß wird. Für manche Frauen ist das bewusste Atmen hilfreich. Auch Yoga, Meditation und progressive Muskelentspannung können dabei helfen, den Angst-Stress-Kreislauf zu unterbrechen.
     
  • Wenn du das Bedürfnis hast, einmal mehr deine Hebamme oder deinen Frauenarzt zu kontaktieren, tue das. Die anfangs alle vier Wochen stattfindenden Vorsorgeuntersuchungen sind nach einer Fehlgeburt vielleicht zu selten, um dich sicher zu fühlen. Mögliche Beschwerden machen dir einfach nun eher Angst. Statt zu grübeln oder zu googeln, wende dich ruhig an Fachleute. Idealerweise stärken diese dein Vertrauen in deinen Körper, was nach einer Fehlgeburt oft erst einmal wieder zurückerobert werden muss.
     
  • Sich Sorgen um sein Kind zu machen, gehört zum Elternsein dazu. Das gilt für die ersten drei Monate, die restliche Schwangerschaft, die erste Zeit nach der Geburt, das Babyalter, die Kleinkindjahre und alle Jahre danach. Und selbst wenn die Kinder erwachsen sind, hört das nicht ganz auf. Vielleicht hilft dir dieser Blickwinkel, deine jetzigen möglichen Sorgen in der Frühschwangerschaft etwas zu relativieren.
     
  • Schütze Dich vor negativen Einflüssen. Lies und höre nur Geschichten und Erfahrungen von anderen, die dir gerade persönlich guttun und dich stärken. Das gilt auch für Menschen, die nicht achtsam mit dir und deinen Gefühlen umgehen oder die Emotionen nach einem Verlust in der Frühschwangerschaft sogar negieren. Umgib dich also mit Menschen, die dir guttun und die dich unterstützen.
     
  • Positive Affirmationen wirken unterstützend auf unser Wohlbefinden. Sätze wie „Alles wird gut“, „Mein Baby wächst sicher und geborgen in mir“, „Ich vertraue meinem Körper“, „Ich bin voller Mut und Zuversicht“ kannst du dir immer wieder sagen. Ruhig auch laut. Formuliere den zu dir persönlich passenden Glaubenssatz immer positiv, also ohne „nicht“ oder „kein“. Das bewusste positive Denken unterstützt dich dabei, guter Hoffnung für diese Schwangerschaft zu sein.
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