Schwanger in Schuhen: Eine Frage der Bequemlichkeit

Blog Gastartikel: Christina von Einer schreit immer

01.Aug 2019
Deutsch

Auch Schwangere müssen Schuhe tragen. In Wahrheit zieht es uns aber immer genau dann zu den Schuhen, die wir zu diesem Zeitpunkt nicht tragen können. Christina vom Blog Einer schreit immer erzählt heute in ihrem Gastartikel von ihren Schuh-Erlebnissen und wie man am besten mit dem Verlust der geliebten Schuhe, die während man schwanger ist im Schrank verweilen müssen, umgeht.

Geschwollene Füße

Früher, in den Jahren vor der Schwangerschaft, waren High Heels für mich das Maß der Dinge. Der Trip zum Schuhgeschäft war wie die Ankunft von Alice im vielgepriesenen Wunderland. Schuhe in allen Größen und Formen, schlank und hoch, klein und fein, mit Riemchen oder Schleifchen, protzig glänzend in Kunstleder oder fein zurückhaltend in samtartigem Überzug, egal wie, Hauptsache sie hatten einen richtigen Absatz. Die Sitze zwischen den Schuhreihen waren mein Thron, von dem aus ich die neuen Eroberungen auserwählte. Kein Absatz war zu hoch, kein Riemchen zu fein. Alles, was passte, kam an den Fuß und damit an die Frau.

In der Schwangerschaft verändern sich jedoch sowohl die Fußform, als auch die Ansprüche. High Heels wären jetzt lebensbedrohlich. Für mich, das Ungeborene und alle Menschen im Umkreis von drei Metern. Also packte ich wehmütig meine schönsten Schuhe in den Schrank und ließ sie dort verweilen. Denn eines glorreichen Tages würden sie ja wieder aus dem Dornröschenschlaf geküsst werden. Und dieser Tag näherte sich unweigerlich mit dem Verfärben der Blätter. Damit war für mich der Zeitpunkt gekommen, auch bei mir wieder Farbe an die Füße zu bringen. Fuchsbraune Wildlederstiefletten um genau zu sein.

Dem Schwangerschaftsbauch zum Trotz versuchte ich, woran Gebärende wohl seit Menschengedenken gescheitert sind: Stiefel allein anzuziehen. Mein Oberkörper verbog sich mehr als ein Politiker, der bei der illegalen Spendenannahme erwischt wurde. Ich schwitze nicht mehr, ich transpiriere auch nicht mehr, ich zerfloss regelrecht dabei. Zehe für Zehe arbeitete ich mich vor. Und blieb schließlich stecken. Vielleicht hilft es ja, wenn man aufsteht und dem ganzen mehr Gewicht verleiht? Ich zog mich in die Höhe und stand schwankend und schweißnass im Vorraum. Heidi Klum hätte bei meinem Anblick einen kreischenden Lachanfall bekommen.

Ich ließ die Stiefletten also im Kasten liegen. Vielleicht kam das Rindsleder dieser Schuhe aus der Rodeo-Zweitverwertung, was erklären würde, warum die Stiefel so bockig waren. In meinem Kasten waren noch andere Schuhe, die auf ihre Wiedererweckung warteten. Auch die High Heels lagen verführerisch dort. Doch ich entschloss tapfer, vorerst weiterhin Abschied von diesen zu nehmen. Adios, Riemchen. Adios, Absatz. Im Kasten lauerten stattdessen auf mich, ganz weich, bequem und verführerisch: Die Schwangerschafts-Sneaker. Unsagbar unansehnliche Dinger, die ich aus Verzweiflung und Fußschmerz erstanden hatte. Pensionisten-Puschen. Arthritis-Treter. Loser-Latschen. Die gemütlichsten und zugleich hässlichsten Schuhe der Welt. Low Life statt High Heels, nenne ich das. „Sobald das hier vorbei ist,“ zischte ich sie an und fuchtelte in Richtung Riesenbauch, „seid ihr Geschichte. Ist das klar?“ Mit einem wohlig-schuldigen Seufzen glitt ich in die bequem-hässlichsten Schuhe der Welt. Manchmal ist eben Komfort das Maß aller Dinge. Dank Schwangerschaftsbauch musste ich selbst sie zumindest nicht sehen.

Da die Temperaturen jedoch mittlerweile ganz schön hinaufgeklettert sind, lege ich dir meinen Gastartikel Heiß, heißer, hochschwanger sehr ans Herz, um noch weitere hilfreiche, wenn auch nicht immer super stylische, Tipps für die Schwangerschaft in der heißen Jahreszeit zu erfahren.
 

Foto: Shutterstock

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