Schwangerschaftsstreifen

Was wirklich hilft

25.Feb 2020
Deutsch

Babybäuche – von vielen liebevoll auch „Kugel“ genannt – sind etwas Wunderschönes. Das finden nicht nur wir, sondern zu recht ganz viele Menschen. Für weniger Begeisterung sorgt allerdings eine häufige Begleiterscheinung des wachsenden Umfangs der werdenden Mutter: Schwangerschaftsstreifen. Aber wie entstehen sie und gibt es wirklich hilfreiche Mittel dagegen?


Foto: Shutterstock

Was sind Schwangerschaftsstreifen?

Schwangerschaftsstreifen sind ein Phänomen in der Unterhaut, das durch eine starke Dehnung des Gewebes entsteht und sichtbar wird. Sie werden in der Fachsprache als „Striae cutis distensae“ (aus dem Lateinischen: Streifen - Haut - überdehnt) oder bei einer Schwangerschaft als „Striae gravidarum“ bezeichnet.

Die Unterhaut ist, wie der Name schon sagt, die unterste der drei Hautschichten (neben Oberhaut und Lederhaut) und besteht in erster Linie aus Bindegewebe mit mehr oder weniger Fett. „Bindegewebe“ ist ein etwas unkonkreter Ausdruck für verschiedene Arten von Gewebe. Im Fall der Haut ist es ein Netz aus kollagenen Fasern (Kollagen = Eiweißstoffe oder „Strukturprotein“), das für die Elastizität der Haut sorgt. Die Unterhaut kann außerdem Wasser binden.

Schwangerschaftsstreifen entstehen, wenn das Bindegewebe z.B. in Folge des Wachstums des Babybauches, der Brüste oder der Zunahme an Po und Oberschenkeln überdehnt wird und sich Risse in der Unterhaut bilden. Diese „Löcher“ im Gewebe sind auch oberflächlich zu sehen und anfangs als rötliche oder blaurötliche Streifen sichtbar, verblassen aber meist mit der Zeit. Da es sich dabei allerdings um Narben handelt, verschwinden sie nicht vollständig.

Medizinisch sind sie völlig unproblematisch, aber kosmetisch werden sie vor allem in schweren Fällen als störend empfunden.

 

Wer ist davon besonders betroffen?

  • Junge Frauen (das Bindegewebe ist nicht so stark)
  • Frauen, die schnell viel Gewicht zunehmen
  • Frauen mit Veranlagung zu schwachem Bindegewebe

 

Was hilft vorbeugend gegen Schwangerschaftsstreifen?

  1. Vermeide eine schnelle Gewichts- bzw. Umfangszunahme:
    durch Sport (Schwimmen und Yoga werden Schwangeren gerne empfohlen, aber mit Rücksicht auf das Baby und die Schwangerschaft hilft natürlich jeder Sport, den du gerne machst und gegen den aus ärztlicher Sicht nichts einzuwenden ist) sowie eine gesunde Ernährung - siehe Punkt 2.
     
  2. Ernähre dich ausgewogen:
    Die Haut braucht viele Vitamine, Mineralstoffe, Protein und hochwertiges Fett. Empfehlenswert soll alles sein, was vor allem eine gute Versorgung mit Vitamin C, B12, E, Zink und Aminosäuren garantiert. Dazu gehören z.B. Nüsse (Achtung, aber nicht zu viele, sie haben sehr viele Kalorien!), Leinöl, Weizenkeimöl, Rapsöl, Olivenöl, Hülsenfrüchte, viel Gemüse (Brokkoli und Karotten werden gerne empfohlen), Obst, vollwertiges Getreide wie Hirse und Vollkornbrot, Leinsamen und Sonnenblumenkerne. Vermeide dafür Zucker so gut es geht.
     
  3. Fördere sanft die Durchblutung der Haut:
    Eine bessere Durchblutung erhöht die Elastizität und sorgt für eine gute Versorgung des Gewebes mit Nährstoffen (die du wiederum aus der hochwertigen Ernährung erhältst). Das erreichst du, indem du etwa 3 Mal pro Woche z.B. mit einem Luffa-Schwamm, Massagehandschuh oder einer weichen Bürste die Haut der gefährdeten Bereiche wie Bauch, Brust, Po und Oberschenkel sanft kreisend massiert (ähnlich wie bei einem Peeling). Am Anfang der Schwangerschaft kann auch eine Zupfmassage angewandt werden: dabei nimmst du kleine Hautbereiche zwischen die Finger und ziehst sie leicht hoch. So „zupfst“ du über den gesamten Bereich. Sprich mit einem Arzt oder einer Ärztin, wie lange du die Zupfmassage ohne Bedenken anwenden kannst.
     
  4. Trinke regelmäßig ausreichend
    Wie oben schon beschrieben, bindet die Unterhaut Wasser. Eine gute Versorgung mit Flüssigkeit erhält damit auch ihre Elastizität.
     
  5. Pflege deine Haut
    Auch die regelmäßige Pflege fördert die Elastizität der Haut. Deine gewohnte Körpercreme tut es dabei auch. Empfehlenswert sind außerdem Hautöle wie z.B. Mandelöl. Spezielle (teure) Pflegeprodukte müssen nicht sein. Die Pflegestoffe werden von der Haut übrigens am besten direkt nach der Dusche in leicht feuchtem Zustand und/oder nach einer (Peeling-)Massage aufgenommen.
     
  6. Vermeide das Austrocknen und übermäßige Belastung der Haut
    Dazu gehören Vollbäder ohne rückfettende Zusatzstoffe, häufiges Schwimmen ohne anschließende Pflege sowie Sonnenbäder.
     
  7. Trage stützende (Still- oder Umstands-)BHs und Bauchbänder
    Gut sitzende BHs vermeiden starke Bewegung und das Zerren am Gewebe. Bauchbänder werden von manchen Schwangeren als angenehm empfunden und können auch leicht „haltend“ wirken.

 

Kann man schon vorhandene Schwangerschaftsstreifen entfernen?

Da es sich um Narben handelt, ist eine komplette Entfernung meist nicht möglich. Das Erscheinungsbild kann aber verbessert werden. Mögliche Mittel, die unter anderem von Hautärzten bzw. Hautärztinnen angeboten werden:

  • Spezielle Cremes, Säure-Peelings und Narbenpflegemittel, welche die Kollagenproduktion fördern und Streifen verblassen lassen
  • Behandlung mit speziellem Laser
  • Micro-Needling: winzige Nadeln werden mit einer kleinen Walze über die Haut gerollt. Das soll unter anderem die Aufnahme von heilenden oder pflegenden Wirkstoffen erhöhen.
  • Ultraschall: minimal-invasive Behandlung für eine glattere Haut

Welche Methode in deinem Fall am sinnvollsten ist, hängt von diversen Faktoren wie der Schwere der Dehnungsstreifen, aber auch Hauttyp, Stelle und nicht zuletzt finanziellen Faktoren ab. Lass dich am besten von einem Hautarzt oder einer Hautärztin ausführlich beraten!

Eine weitere Möglichkeit haben wir noch nicht angesprochen. Sie erfordert allerdings etwas Mut und manchmal auch Überwindung. Wenn man diese beiden Herausforderungen gemeistert hat, wartet allerdings eine wunderschöne Belohnung. Denn wer es schafft, die kleinen Narben mit Stolz zu tragen und als eine Erinnerung an Schwangerschaft, Geburt und ein Zeichen für das Mama-Sein sieht, hat für immer enorm an Selbstwertgefühl gewonnen.

Übrigens: auch viele Männer, die durch Krafttraining bzw. Bodybuilding ebenfalls Dehnungsstreifen haben, tragen diese ganz selbstbewusst. Vielleicht sollten sich Frauen oder Mütter im Speziellen an den großen Herren ein kleines Beispiel nehmen. Das Leben, und besonders die Zeit mit Baby, ist viel zu kurz und kostbar, um es mit Body-Shaming zu vergeuden.

In diesem Sinne ist unser letzter Tipp ein neues Mantra für uns alle: Weniger Perfektion und mehr Zufriedenheit!

 

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Quellen:
https://www.netdoktor.at/familie/schwangerschaft/schwangerschaftsstreifen-6686131
https://de.wikipedia.org/wiki/Bindegewebe
https://de.wikipedia.org/wiki/Dehnungsstreifen
https://de.wikipedia.org/wiki/Kollagene

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