Selbstbestimmung bei der Geburt

Wie wir geboren werden macht einen Unterschied

27.Mai 2019
Deutsch

Obwohl die Geburt eine der verletzlichsten Situationen im Leben einer Familie ist, wird in diesen sensiblen Momenten nicht selten die Würde der Gebärenden und auch des Babys verletzt. Diesem Missstand stellen sich seit Jahrzehnten nicht nur Frauen, Gynäkologinnen und Hebammen. Auch Männer, Ärzte wie Frédérik Léboyer oder Michel Odent, lieferten unermüdlich Erkenntnisse zum Thema „Sanfte Geburt“. Richtig aufgerüttelt haben jüngst jedoch jene Frauen und Paare, die den Mut hatten, die Entwürdigung, die sie erlebt hatten, beim Namen zu nennen. Denn der Outcome eines gesunden Kindes, bedeutet nicht automatisch, dass die Geburt positiv erlebt wurde.

Selbstbestimmung bei der Geburt

Foto: Shutterstock

Paradoxerweise wird das Gebären einerseits als die natürlichste Sache der Welt gehandelt. Andererseits gleichen die Abläufe in Kreißsälen vermehrt Notoperationen auf der Unfallchirurgie. Die Angstmacherei aus der Medizin, greift dabei nach wie vor um sich. Nach dem Motto: tunlichst „auf Nummer sicher gehen“. Was nachhaltig bleibt, sind jedoch traumatisierende Erlebnisse bei Mutter, Kind und auch bei anwesenden Vätern.

Selbstverständlich haben sich in vielen Kliniken Dinge zum Besseren verändert. Es gibt mancherorts tolle Geburtslandschaften, die der Gebärenden die laufende Verlagerung ihrer Gebärposition ermöglichen. Das Bonding nach der Geburt wird zunehmend durch verbesserte räumliche Gegebenheiten unterstützt. Eine gute, einfühlsame Hebamme, die kontinuierlich anwesend sein kann, ersetzt dies jedoch nicht. Stattdessen wird darauf gesetzt, die Geburt möglichst punktgenau abzuwickeln und einzuleiten. Selbst, wenn es nicht unbedingt notwendig ist.

Super wichtig ist deshalb, dass du über die Notwendigkeit und die Abläufe einer künstlichen Einleitung der Geburt ausreichend informiert bist. Und, dass du dich vom Geburtsteam respektiert und ernst genommen fühlst. Denn nur so kann unvermeidlichen medizinischen Eingriffen die Dramatik genommen werden. Nichts ist schwerer zu bewältigen, als wenn du dich während der Strapazen einer Geburt übergangen oder gar genötigt fühlst. Speziell im Fall einer besonders schwierigen Geburt.

Tatsächlich geht es in der Geburtshilfe nach wie vor um das Schaffen von Rahmenbedingungen, die es Mutter und Baby erlauben, in ihrem Tempo mit ihren individuellen Bedürfnissen während der gesamten Geburt wahrgenommen zu werden. Das Erfüllen dieser Bedingungen setzt jedoch erst mal ein Umdenken in unserer Gesellschaft voraus.

Im folgenden Artikel erfährst du mehr über die Sternengucker Geburt (hintere Hinterhauptshaltung beim Baby), die zum Beispiel wirklich ein besonders erfahrenes, achtsames Team erfordert.

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