Sex nach der Geburt

Eine neue Phase beginnt – aber wie?

03.Jan 2020
Deutsch

Die Geburt ist ein großes, lebensveränderndes Ereignis. Es betrifft alle Bereiche: den Job, die Hobbies, das Gesellschaftsleben und natürlich auch die Paarbeziehung. Die Ankunft eines Babys ist oft nicht nur ein emotionaler Ausnahmezustand, sie beeinflusst vor allem einen speziellen Bereich der Beziehung: die Sexualität. Ganz abgesehen von neuen Gefühlswelten, in die viele Eltern eintauchen, kann es auch rein physisch zu Veränderungen kommen. Was alles anders sein kann, schauen wir uns in diesem Artikel an.


Foto: Becca Tapert on Unsplash

Was ändert sich körperlich?

Hormone haben unser ganzes Erwachsenenleben lang einen enormen Einfluss auf die Libido und Sexualität. Nach der Geburt und während der Stillzeit wird vermehrt das Hormon Prolaktin produziert und das kann die sexuelle Lust mindern. Der Körper der Frau scheint also den Fokus mit allen Mitteln auf das Kind zu lenken – das ist für den Partner manchmal nicht ganz einfach, lässt sich aber zumindest rein physiologisch erklären und heißt nicht, dass die Liebe plötzlich verschwunden ist. Die Hormone können auch zu mehr Trockenheit in der Scheide führen, so dass Sex unangenehm sein kann. Auch volle Still-Brüste können beim Sex zur Herausforderung werden.

Pauschal lässt sich weder der komplexe Themenbereich „Libido“ noch das Thema „Stillbusen“ abhandeln – manche Frauen sind schon bald nach der Geburt sexuell wieder sehr aktiv, bei manchen Frauen neigt die Brust zum Auslaufen und schmerzt, bei anderen wiederum gar nicht. Ein wesentlicher Punkt ist außerdem, ob die Frau eine schöne Geburt ohne Geburtsverletzungen hatte. Womit wir auch schon bei einem wichtigen Bereich der körperlichen Veränderungen wären:

 

Wie Geburtsverletzungen den Sex beeinflussen.

Bei der Geburt können verschiedene Bereiche übermäßig strapaziert werden. Das betrifft nicht nur den allgemein bekannten Dammriss, sondern auch die Schamlippen und die Scheide selbst. Wie weit sie den Sex beeinflussen, kann nicht allgemein beantwortet werden. Wenn Narben dir Probleme bereiten, sprich unbedingt mit deiner Hebamme oder ärztlichem Fachpersonal. Eine Massage mit pflanzlichen Öle kann helfen, Narben geschmeidiger zu machen. Du kannst dazu auch das Dammmassageöl aus der Schwangerschaft verwenden. Aber Achtung: nicht zusammen mit Kondomen verwenden!

Geburtsverletzungen können aber nicht nur körperliche Schmerzen verursachen: sie können auch psychisch blockieren und verunsichern. Hier hilft meistens nur eines: redet darüber. Wenn du dir schwertust, mit deinem Partner darüber zu sprechen, kann eine professionelle Begleitung mit einer Hebamme oder einem Gesprächstherapeuten bzw. einer Therapeutin weiterhelfen.

 

Mythen rund um Sex nach der Geburt

Dass mehrere Geburten automatisch bedeuten, dass die Vagina „ausgeleiert“ sei, ist ebenso ein Unsinn, wie die Behauptung, dass Frauen nach der Geburt keinen oder nur schwerer einen Orgasmus haben können. Genauso wenig muss es aber sein, dass alle Frauen nach der Geburt so richtig aufblühen und Sex dann umso mehr genießen. Die körperlichen Veränderungen, Empfindungen und die emotionale Entwicklung ist bei jeder Frau eine höchst persönliche Geschichte und somit auch das sexuelle Erleben nach einer Geburt individuell absolut verschieden.

 

Was tun bei Problemen?

  • Geburten können aus diversen Gründen große Gefühle hinterlassen, mit denen man vielleicht zu kämpfen hat. Scheue dich nicht, diese mit deiner Hebamme oder im Rahmen einer Gesprächstherapie zu bewältigen.
  • Ein Geburtsbericht aus der Klinik hilft, die Geburt zu verarbeiten, wenn sie schwierig war und dich nachhaltig in deiner Sexualität blockiert.
  • Sprecht viel miteinander über eure Ängste, Erwartungen und auch über unangenehme Themen wie die Folgen von Geburtsverletzungen.
  • Gebt einander Zeit, wenn es nötig ist – aber gebt euch und eure Sexualität nicht auf.
  • Arbeitet gemeinsam an einem Weg, damit ihr beide im Bett wieder glücklich seid –  Glückshormone und Oxytocin, die beim Sex ausgeschüttet werden, sind wichtig für jeden einzelnen und für eure Beziehung.
  • Geburtsverletzungen und Narben können Schmerzen verursachen. Versuche sie nicht heldinnenhaft zu ertragen, sondern sprich frühzeitig mit einem Arzt oder einer Ärztin.
  • Bei einer trockenen Scheide kann einfach mit Gleitmitteln nachgeholfen werden. Achtet nur bei der Verhütung mit Kondomen darauf, dass das Mittel dafür geeignet ist.

Die sonst sehr beliebte Missionarsstellung ist vor allem nach der Geburt für viele Frauen nicht optimal: zum einen belastet sie besonders die Bereiche mit Geburtsverletzungen und kann auch bei vollen Stillbrüsten unangenehm sein. Es empfiehlt sich eine der vielen schönen Alternativen – Das Tolle am Sexleben post partum ist schließlich: Ihr könnt gemeinsam in eine neue Kennenlernzeit im Bett starten und herausfinden, was euch sonst noch so einfällt und gefällt. 

 

 

Das könnte dich auch noch interessieren:

Das 1x1 des Wickelns

Verhütung nach der Geburt

Tags: 
Sende diese Seite an einen Freund