Sind Mamas Superheldinnen oder nicht?

Blog Gastartikel: Juli von Doppelkinder

06.Jan 2020
Deutsch

Sind Mamas nun Superheldinnen oder sind sie es nicht? Juli vom Blog Doppelkinder findet, dass man das – wie alles im Leben – mal wieder mindestens von zwei Seiten betrachten kann und da entscheidet sie sich sicherheitshalber für die positive. Bei dieser Perspektive geht es nämlich nicht um's Durchhalten, Zähne zusammenbeißen und alleine kämpfen. Vielmehr geht es darum, sich selbst anzuerkennen und den eigenen Körper und die eigenen (Super-)Kräfte wertzuschätzen.

Babyfüßchen auf Kunstfell

Foto: Doppelkinder

Ich lese gerade so viele Beiträge in den sozialen Medien, die sich alle darum drehen, ob man als Mama nun ein Superheld ist oder nicht. Oder eine Superheldin. Es geht dabei gerade stets darum, dass Mütter nicht immer alles schaffen, nicht perfekt, immer stark und unfehlbar sein müssen. Da rufe ich laut „Hurra!“, wirklich. Es ist prima, sich dagegen aufzulehnen und gegen überhöhte Ideale, falsche Rollenbilder und Erwartungen die Stimme zu erheben.

Gleichzeitig finde ich es nach wie vor wichtig, Frauen – Mamas – Wertschätzung entgegenzubringen und sie dazu zu ermutigen, sich selbst wertzuschätzen. Denn die meisten von uns nehmen doch jeden Tag viel zu wenig wahr, was sie alles schaffen – wunderbaren Lebensraum für ihre Familien. Was sie leisten – erste Hilfe bei Traurigkeit, Wut und angestoßenen Knien. Was sie geben – Liebe, Sicherheit und eine Basis, um einen starken Weg ins Leben gehen zu können.
 

Wir sehen nicht, was wir täglich erreichen

So viele von uns sehen nicht, was sie Tag für Tag alles regeln, organisieren, tragen und aushalten. Es geht nicht darum, dass das immer (allein) gelingen, geschweige denn perfekt sein muss. Es geht darum, diese unfassbare Leistung wahrzunehmen und anzuerkennen. Bei anderen und vor allem bei sich selbst. Da passt das Bild der Superheldin doch ganz gut. Sie rettet jeden Tag für ihre Kinder die Welt. Repariert abgebrochene Bananen, findet Spiele, damit der Zweijährige doch noch bei minus 4 Grad Schuhe anzieht, erzählt Geschichten, damit das Zähneputzen nicht wieder in einer Vollkatastrophe endet.
 

So viel Leistung und doch kein Lohn

Ich bin immer wieder versucht, davon zu sprechen, was Mütter jeden Tag „leisten“. Doch dann landen wir wieder bei einem seltsamen Maßstab unserer Gesellschaft: Wer am meisten leistet, wer sich am stärksten verausgabt, wer am besten bezahlt wird, hat gewonnen. Da Mütter für ihre Arbeit oft nicht bezahlt werden, wird das, was sie tun, eben aber auch nicht als tatsächliche Arbeit anerkannt. Ein Trauriger Denkfehler wie ich meine.

Und dann die körperliche Ebene. Meine Schwangerschaften und die Geburten meiner Söhne – ich habe einen geplanten Kaiserschnitt und vor Kurzem erst eine natürliche Entbindung erlebt – haben mich demütig werden lassen. Demütig und ehrfürchtig. Zu was sind unsere weiblichen Körper in der Lage? Sie lassen neues Leben wachsen, echte Menschen! Sie geben ihnen monatelang Schutz und perfekte Bedingungen, um sich zu entwickeln. Der Bauch wächst, die Haut streckt sich, alles macht Platz für unser Kind, dem unser Körper während dieser Zeit sein erstes sicheres Zuhause ist.
 

Schwangerschaft und Geburt – weibliche Wunder

Und dann legt unser Körper irgendwann den Schalter um. Von „Halten“ auf „Loslassen“. Übt Kontraktionen, verändert den Hormonhaushalt so, dass wir dieses neue Leben in die Welt bringen können – auf welchem Weg auch immer. Und ein Spaziergang ist das wohl selten, eher ein Naturereignis.

Wir geben Lebensraum, ernähren, tragen, trösten, halten und lassen los. Nein, man muss das nicht idealisieren. Aber man darf sich diese faszinierenden Fähigkeiten bewusst vor Augen führen und sie gelegentlich aus vollem Herzen bejubeln und feiern, denn sie sind Wunder. Wir dürfen aus unserer Selbstanerkennung Kraft und Gelassenheit schöpfen. Nichts davon braucht uns vor anderen Erwachsenen zu einer Superheldin machen. Doch sehr wohl vor uns selbst. Und wir dürfen uns auch durch die Augen unserer Kinder sehen. Denn für sie sind wir in zahllosen Situationen ohnehin die ultimativen Superheldinnen.

Und wie ich meine Supertalente als Schwangere im Urlaub mit zwei Kindern und Mann unter Beweis gestellt habe, kannst du in diesem Gastartikel von mir nachlasen.

Sende diese Seite an einen Freund