SOS Babyhaut

Neurodermitis beim Baby

28.Jan 2020
Deutsch

Kaum etwas ist so wunderbar wie zarte, rosig-glatte Babyhaut. Doch schon kurz nach der Geburt kann sich das ändern: Rötungen können sich zeigen, kleine Pickel entstehen oder vielleicht sogar schuppige Stellen auftreten. Was sind die Ursachen für diese Hautprobleme beim Säugling? Wie kann man Neurodermitis beim Baby erkennen? Und noch wichtiger: was kann man dagegen tun? Wie unterstützt man die Gesundheit der Babyhaut? Und wie pflegt man die Haut von Neugeborenen am besten?

Hautprobleme und -veränderungen nach der Geburt

Nicht jede Rötung oder schuppige Stelle muss gleich ein Zeichen für Neurodermitis sein. Nach der Geburt treten aus verschiedenen Gründen Hautveränderungen auf, die völlig normal sind und nicht behandelt werden müssen. Sie verschwinden in der Regel nach einigen Wochen von ganz alleine wieder.

Die Reste der Käseschmiere sehen manchmal etwas schuppig aus. Die Haut zieht diese fettige, antibakterielle Schutzschicht aus der Zeit im Fruchtwasser normalerweise ein. Sie muss nicht entfernt werden.

Außerdem kann der ganze Körper nach der Geburt schuppig wirken, da die wichtige Schutzschicht komplett erneuert wird.

Viele Babys bekommen in den ersten Wochen kleine Pickel, man spricht von der „Neugeborenenakne“. Das liegt vor allem an einer Hormonumstellung. Diese tritt auf, weil das Kind bisher mit dem Blutkreislauf der Mutter verbunden war und nun durch die Abnabelung sein eigenes „System“ aufbaut – die Hormone der Mutter verschwinden. Wie bei der Umstellung des Hormonsystems in der Pubertät, kann auch die Babyhaut auf diese Veränderung mit Pickeln reagieren.

Beim „Kopfgneis“ handelt es sich um eine Überproduktion der Talgdrüsen am Kopf. Dadurch entstehen weiße oder gelbliche Schuppenbereiche. Ist er sehr stark und störend, kann er mit Öl und einer Haube über Nacht eingeweicht und am nächsten Tag mit einer sanften Babybürste vorsichtig abgelöst werden. Der Kopfgneis ist aber nichts Gefährliches und muss nicht entfernt werden – er verschwindet meistens nach einigen Monaten von selbst. Achtung: dieses Phänomen wird manchmal als Milchschorf bezeichnet. Dieser Begriff beschreibt aber eine andere Erkrankung der Haut. Beim Milchschorf handelt es sich um schuppige, weißlich-gelbe, rote Stellen im Gesicht, manchmal auch an Armen und Beinen, oft verbunden mit Juckreiz – er ist der Neurodermitis also sehr ähnlich. Der Kopfgneis ist dagegen eher talgig-weich und ausschließlich auf der Kopfhaut unter den Haaren zu finden. Da es hier oft zu Verwechslungen und Verunsicherung bei den Eltern kommt, frage am besten in der Kinderordination um Rat! Selbst für Fachleute ist die Unterscheidung nicht immer leicht.

 

Neurodermitis bei Kindern

Bei Neurodermitis (auch atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem genannt) handelt es sich um entzündete, juckende Hautstellen am Körper. Die Krankheit tritt oft in Schüben auf. Besonders sind Ellbogen, Gelenke, Kniekehlen, Ohren und die Wangen betroffen. Neurodermitis kann grundsätzlich jederzeit auftreten, häufig erkranken aber schon Säuglinge. Das ist vor allem der Fall, wenn auch die Eltern unter Neurodermitis leiden.

Der Juckreiz ist in vielen Fällen das größte Problem für die Kleinen – sie können das Kratzen nicht zurückhalten, wodurch sich bakterielle Infektionen bilden können.

Eine Besonderheit der Krankheit ist, dass sie individuell sehr unterschiedlich verläuft. Eltern sind sehr gefordert zu beobachten bzw. zu notieren, welche Umstände Neurodermitis-Schübe bei ihren Kindern verursachen.

Kinder mit Neurodermitis leiden außerdem oft an Lebensmittelallergien. Entsprechend empfehlenswert ist es, bei der Ernährung achtzugeben und sich dazu professionell beraten zu lassen.  

10–20% der Kinder haben Neurodermitis – oft bessert sich der Zustand aber mit zunehmendem Alter. Bei ungefähr der Hälfte der erkrankten Kinder verschwindet die Neurodermitis später wieder.

 

Ursachen für Neurodermitis bei Babys

Es konnte bisher weder eine eindeutige Ursache noch eine Heilung für diese Hauterkrankung gefunden werden. Ein Grund dürfte aber eine genetische Veranlagung sein. Häufig geht Neurodermitis mit einer allgemeinen Anfälligkeit für Allergien einher. Kinder mit Neurodermitis reagieren auf Umwelteinflüsse, allergene Stoffe oder Stress mit Neurodermitis-Schüben. Zu Auslösern können also zum Beispiel Tierhaare, Staub, Milben, Waschmittel oder bestimmte Lebensmittel gehören, außerdem Zahnungsphasen, Infekte, Schweiß, Chlorwasser oder Seifen.

 

Vorbeugende Maßnahmen

  • Es wird empfohlen, die ersten 4 Monate voll zu stillen und
  • am Ende des 4. Lebensmonats mit der Beikost zu beginnen. Im ersten Jahr sollte auch schon Fisch am Speiseplan stehen. Grund dafür ist die Annahme, dass der frühe Kontakt mit potenziell Allergie-auslösenden Stoffen in diesem Alter vorbeugend wirken soll.
  • Wird das Baby nicht gestillt, sollte hypoallergene Säuglingsanfangsnahrung verwendet werden.
  • Auch das tägliche Eincremen scheint vorbeugend gegen Neurodermitis zu helfen – welche Creme im Einzelfall am besten geeignet ist, sollte jedenfalls mit einem Hautarzt bzw. einer Hautärztin abgeklärt werden, um die Haut nicht unabsichtlich mit Allergie-verdächtigen Stoffen zu reizen.
  • Nicht rauchen (auch in der Schwangerschaft).
  • Eine ausgewogene Ernährung und vor allem Fisch in der Schwangerschaft kann vorbeugend wirken.

 

Was tun, wenn das Kind an Neurodermitis leidet?

  • Allergieverdächtige Stoffe meiden. Achtung, dazu zählen auch natürliche Inhaltsstoffe in Cremes wie Kamille und Calendula! Auch Wolle und Duftstoffe vermeiden.
  • Bei neuen Lebensmitteln achtgeben, ob eine Reaktion folgt.
  • Gegen Schlafmangel wegen unruhigen Nächten hilft es, einen elterlichen „Schichtdienst“ einzuteilen, so dass der andere ausschlafen kann.
  • Nur von Fachleuten empfohlene Pflegemittel verwenden.
  • Unterstützung in Selbsthilfegruppen holen.
  • Dem Kind zum Schlafen Handschuhe anziehen, um das Aufkratzen zu vermeiden.
  • Kühle Umschläge
  • Streicheln – auch an nicht betroffenen Körperstellen – lenkt ab.
  • Kleidung aus weichem, hautfreundlichem Material wie Baumwolle oder Viskose, kein Polyester und andere Kunstfasern, die das Schwitzen begünstigen.
  • Schwierig aber empfehlenswert: dem Kratzen nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken. Die Kinder definieren sich sonst zu sehr nur über ihre Erkrankung und lernen manchmal, das Kratzen für mehr Aufmerksamkeit einzusetzen.

 

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Quellen:

https://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/erkrankungen/allergien/neurodermitis/

https://www.netdoktor.de/krankheiten/neurodermitis/baby/

Foto: Shutterstock

 

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