Sprachdefizit bei Frühchen?

Unterscheidung von Lauten beim Ungeborenen

03.Okt 2019
Deutsch

Dass Föten ab dem letzten Schwangerschaftsdrittel Silben und Töne unterscheiden können, ist nun aktuellen Studien zufolge belegt. Denn die Spezialisierung der zuständigen Hirnregionen für die Sprachentwicklung wird bereits im Mutterbauch, angelegt. Also lange bevor dein Kleines tatsächlich zu sprechen beginnt. Aber wie ist das bei Frühchen? Leidet das Sprachvermögen des Babys unter einer vorzeitigen Unterbrechung der Schwangerschaft? Wir haben recherchiert und die wichtigsten Infos für dich zusammengefasst.


Foto: Luma Pimentel on Unsplash

Schon lange besteht die Vermutung, dass die Schulung des Ungeborenen eine Wirkung hat. Besonders eifrige Eltern beginnen deshalb mit der frühen Förderung des Fötus durch Vorlesen oder spezielle musikalische Beschallung.

Was in unseren Breitengraden bisher als Unfug belächelt wurde, hat in Süd Korea schon lange Tradition. „Tae-Gyo“ heißt dort die umfangreiche pränatale Schulung der Mama in spe, die sich aus dem Erlernen von Kalligraphie, koreanischem Blumenarrangement, Stricken und Nähen, Yoga, aber auch aus dem Unterricht von Fremdsprachen und Mathematik zusammensetzt. Diese 9 Monate des vorgeburtlichen Klassenzimmers sollen demnach mehr bewirken, als das Lernen während der ersten 9 postnatalen Lebensjahre.

Lange bevor das Kind die ersten Worte spricht, soll deshalb das Ungeborene den Klang der Sprache vernehmen. Einer aktuellen neurolinguistischen Studie zufolge, sind reifgeborene Babys bereits am Tag ihrer Geburt fähig, gesprochene Laute von Nichtsprachlauten zu unterscheiden. Der Prozess der Sprachverarbeitung läuft dabei in den Bereichen der Stirn- und Schläfenlappen in der linken Hirnhälfte ab.

Das Hören des Fötus beginnt ungefähr ab dem fünften Schwangerschaftsmonat. Ist das Ohr mit dem Hörsinn voll entwickelt, kann das Baby bereits erste akustische Signale wahrnehmen. Etwa so wie sich Geräusche fern, verzerrt und in Watte gepackt anhören. Im Babybauch werden Geräusche und Sprachlaute demnach gefiltert registriert. Die gedämpfte Lautumgebung bereitet das Ungeborene im Normalfall auf die Geräusche seiner Umwelt vor.

Die Zusammenhänge zwischen dem Sprechen lernen und dem Hören ab etwa der 23. SSW (Schwangerschaftswoche), kannst du hier in unserem Artikel Sprechen lernen – des Babys erste Worte nachlesen. Auch in unserer Reihe über die Wahrnehmung des Babys beschäftigen wir uns mit der Entwicklung des Gehörs (Teil 3).

Frühgeborene Babys, in der Studie charakterisiert als 15-4 Wochen zu früh geboren, reagieren - der kürzlich erschienenen Developmental Cognitive Neuroscience Studie zufolge - anfänglich nicht auf Sprachreize. Sie können zum Zeitpunkt der verfrühten Geburt noch nicht zwischen sprachlichen und nichtsprachlichen Lauten unterscheiden. 

Wichtig ist deshalb der richtige Umgang mit dem Frühchen in seinen ersten Lebenswochen. Die akustische Umgebung auf Frühgeborenenstationen, sollte im Idealfall angepasst werden. Hilfreich ist es, eine ähnliche Umgebung wie im Mutterleib zu schaffen. Das heißt, die Stimme der Mutter und die Reduzierung von Umgebungsgeräuschen kann die Entwicklung von Frühgeborenen unterstützen. Denn es können sich aus dem Defizit beim Kind später Einschränkungen beim Sprechen lernen und im Wortschatz ergeben. Aber auch Rechtschreib- oder Leseschwierigkeiten während der Schulzeit.

Die intensive Zuwendung ist bei einem frühgeborenen Baby grundsätzlich ein wichtiger Faktor. Das Vorlesen ist dabei nicht nur Teil seiner Entwicklungsförderung, sondern auch bedeutend für die Bindung des Kindes zu den Eltern.
 

Und warum eine mehrsprachige Erziehung deinen Sprössling mit Sicherheit ebenfalls fördert, erfährst du hier.
 

Foto: Shutterstock

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