Stammzellenforschung: Einlagerung von Nabelschnurblut

Vorsorgen für das ganze Leben?

13.Apr 2017
Deutsch

Die Einlagerung von Nabelschnurblut nach der Geburt liegt derzeit sehr im Trend. Immer mehr Eltern entscheiden sich für die Nabelschnurbluteinlagerung – sei es als "Lebensversicherung" für das eigene Kind oder als Spende für einen anderen Kranken. Bei dem Prozess wird die Substanz im flüssigem Stickstoff konserviert (Kryokonservierung), und eine Art „Stammzellen-Repair-Kit“ bei einer privaten Nabelschnurblutbank angelegt. Doch inwiefern ist die Einlagerung von Nabelschurblut wirklich sinnvoll? Wie wahrscheinlich ist es, dass die Stammzellen daraus dem eigenen Kind eines Tages wirklich helfen? Lohnt sich die teure Gebühr, die private Anbieter dafür verlangen? Oder ist das Blut in Spendenbanken besser aufgehoben? Wir haben uns das Thema genauer angeschaut.

Stammzellenforschung: Einlagerung von Nabelschnurblut

Foto: Shutterstock 

Stammzellen aus Nabelschnurblut – wozu? 

Im Bedarfsfall soll es möglich werden, mit Hilfe einer Stammzellen-Therapie verschiedene Gewebetypen zu regenerieren. Diese Methode wird heute vor allem bei Blutkrebs eingesetzt. Allerdings kommen im Fall von Leukämie speziell gewonnene Spenderzellen, meist von Verwandten, zum Einsatz. Derzeit am weitesten in der Medizin verbreitet, ist die Verwendung von aus Knochenmark oder Blut gewonnenen Stammzellen.

Sie unterscheiden sich jedoch vom Blut aus der Nabelschnur. Diese gelten als wahre Alleskönner: Zum einen sind sie besonders verträglich, weil die Abwehrzellen des Immunsystems, die in ihnen enthalten sind, noch nicht ausgereift sind. Die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger müssen deshalb nicht hundertprozentig übereinstimmen. Außerdem teilen sie sich besser als jene, die aus dem Blut Erwachsener gewonnen werden. Sodass zur Behandlung nur etwa ein Zehntel Stammzellen notwendig sind.

Pro, Contra und wichtige Fakten im Überblick

Fakten:

  • Nach Angabe der Anbieter können mit den Stammzellen aus Nabelschnurblut in naher Zukunft Diabetes, Hirnschäden und Herzerkrankungen behandelt werden.
  • Eine Anwendung von eigenem Nabelschnurblut in der Krebstherapie ist eher unwahrscheinlich. In der Regel enthalten die eigenen Stammzellen nämlich meist von Geburt an die bösartigen Zellen, die später den Krebs auslösen.

Derzeit kommen fremde Stammzellen, zum Beispiel aus Eigenblut, zum Einsatz. Diese sind teilweise sogar besser geeignet, da auch das fremde Immunsystem an der Krebsbekämpfung beteiligt ist.

  • Je nach Anbieter bemessen sich die Kosten für eine Einlagerung zwischen 1.500 und 2.500 Euro. Die Laufzeit liegt allgemein bei rund 20 Jahren.
  • Manche Geburtskliniken äußern Bedenken, unmittelbar nach der Geburt Nabelschnurblut zu entnehmen. Eine möglichst späte Abnabelung soll dem Neugeborenen aus der pulsierenden Nabelschnur eine Eisenreserve zur Verfügung stellen, um es vor Blutarmut zu schützen.
  • Bislang ungeklärt ist: ob nach dem Konservierungsprozess noch ausreichend Stammzellen für eine Therapie zur Verfügung stehen und wie lange das das eingelagerte Blut einsatzfähig bleibt.

Fazit:

Ja, das Nabelschnurblut ist eine wertvolle Quelle für Stammzellen, daher kann die Spende an eine öffentliche Nabelschnurblutbank durchaus Sinn machen. Dort wird das kostenfrei eingelagert, bis die im Blut enthaltenen Stammzellen benötigt werden. Private Nabelschnurblutbanken sind gewinnorientierte Unternehmen. Deshalb sollte eine Einlagerung gut durchdacht werden.

Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Knochenmark- und Blutstammzelltransplantation formuliert es klipp und klar: „Mütter von gesunden Neugeborenen und ihre Familien sollen wissen, dass es nach dem heutigen Stand des Fachwissens kein Versäumnis darstellt, das Nabelschnurblut des Kindes nicht einzufrieren.“

Kommentare

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Rita Laurin
Danke für diesen informativen Arikel! Wir haben uns dann für eine Einlagerung entschieden, wegen dem erwartbaren Fortschritt. Der Preisvergleich war ziemlich schwierig, eine objektive Übersichtstabelle habe ich hier gefunden: https://ratgeber.kigorosa.de/nabelschnurblut-einlagerungen-kostenvergleich-der-privaten-anbieter. Vielleicht hilft es ja anderen auch weiter?
So, 04/29/2018 - 19:06
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