Stillen mit grippalem Infekt?

Erlaubte Medikamente und Hausmittel in der Stillzeit

26.Dez 2019
Deutsch

Stillen ist schön und wichtig – aber was, wenn die Mutter krank wird? Stillen kann schon gesund eine ziemliche Herausforderung sein. Ist abstillen bei Krankheit sinnvoll oder gar notwendig, um das Kind nicht zu gefährden? Das und mehr schauen wir uns einmal genauer an.

Vorteile für kranke Mütter, die stillen

Ist kein Geschwisterkind zu versorgen, hat das Stillen mit einem leichten grippalen Infekt einen Vorteil: verzieht euch gemeinsam ins Schlafzimmer und kuschelt die nächsten Tage viel. Du kannst weiter nach Bedarf stillen und musst keine Fläschchen zubereiten – stillen klappt schließlich mit etwas Übung sogar im Halbschlaf. Wichtig: Achte aber auf eine sichere Schlafumgebung für dein Baby, zum Beispiel in Form eines Beistellbetts.

 

Wegen der Ansteckungsgefahr musst du dir keine Sorgen machen!

Dein Kind war höchstwahrscheinlich – genau wie du – schon vorher mit dem Krankheitserreger in Berührung. Das Stillen hilft jetzt: es werden Abwehrstoffe gegen die Krankheit produziert und über die Muttermilch auch an das Kind weitergegeben. Dein Baby erhält also die köstlichste Schluckimpfung der Welt, während es trinkt! Abstillen ist absolut unnötig und im schlimmsten Fall sogar kontraproduktiv, da dein Schatz keine Stoffe für die Immunabwehr erhält.

Die Ärzte und Ärztinnen der La Leche Liga empfehlen sogar bei schwereren Erkrankungen weiter zu stillen. Sollte das Abstillen von jemandem angeraten werden und du dir unsicher sein, kontaktiere für eine zweite Meinung noch eine Hebamme oder Stillgruppe.

Sollte die Krankheit so schwer sein, dass ein Krankenhaus-Aufenthalt unumgänglich ist, besprich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin und dem Krankenhauspersonal, ob das Stillen weiter möglich ist und dein Baby bei dir bleiben kann, sofern es für dich möglich ist.

 

Medikamente in der Stillzeit

Viele Medikamente dürfen auch in der Stillzeit genommen werden – dennoch empfiehlt sich besondere Vorsicht und eine Rücksprache mit Arzt, Ärztin oder in der Apotheke – übrigens auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Präparaten! Abstillen sollte jedenfalls nur im Notfall die allerletzte Lösung sein. In den meisten Fällen gibt es eine stillverträgliche Option, vor allem, wenn es um Antibiotika geht. Das plötzliche Abstillen kann bei Mutter und Kind nämlich ebenso Probleme verursachen. Es kann sich zum Beispiel ein Milchstau bilden und daraus eine Brustentzündung entstehen.

Ob ein Medikament in die Milch übergeht, hat chemische und biologische Ursachen. Auf embryotox.de gibt es eine umfassende Datenbank zu Medikamenten und Wirkstoffen sowie die Möglichkeit sich kostenlos beraten zu lassen.

Zu pflanzlichen Mitteln gibt es oft keine ausreichenden Daten und Studien über die Wirkweise und mögliche Beeinträchtigungen beim Säugling. Auch ätherische Ölen sollten nicht ohne vorherige Rücksprache mit Fachleuten eingesetzt werden.

 

Auch bei Tees muss man achtgeben!

Salbei und Pfefferminze können zum Beispiel die Milchmenge reduzieren – beide Tees sind also nur zum Abstillen empfehlenswert, aber nicht bei einer Erkältung und/oder Halsschmerzen! 

Bei Schnupfen problemlos anwendbar sind alle rein Salz-haltigen Mittel zum Spülen und befeuchten der Nase (Kochsalz, Meersalz oder Sole).

Fieber und Halsschmerzen können mit reinem Paracetamol behandelt werden. Von Kombinationspräparaten, also Mittel gegen grippale Infekte, die verschiedene Wirkstoffe enthalten, wird abgeraten.
 

Empfehlenswerte Hausmittel:

  • Inhalieren von heißen Dämpfen, ev. mit Salzwasser (ohne ätherische Öle!)
  • Diverse Wickel: Waden-, Hals-, Brustwickel
  • Umschläge

Tipp: Packungsbeilagen mit Vorsicht genießen

Viele Pharmafirmen sichern sich rechtlich so gut es geht ab. Das hat zur Folge, dass sich auch bei unbedenklichen Medikamenten fette Warnhinweise für Schwangere und Stillende in der Packungsbeilage finden. Wenn Arzt oder Ärztin ihr OK gegeben haben, spricht nichts gegen die Einnahme. Empfehlenswert sind jedenfalls Medikamente, die schon lange auf dem Markt sind: sie sind in der Regel bestens erforscht, auch was Langzeitwirkungen angeht.

Für Notfälle ist es sinnvoll, schon vor einer Erkrankung einen kleinen Muttermilch-Vorrat einzufrieren. So hast du einige Rationen griffbereit, falls du doch ein Medikament nehmen musst, das deinem Kind nicht guttut. Wenn du eine Stillmahlzeit ausfallen lässt, pumpe die Milch aber ab, und schütte sie nachher weg. Damit bleibt die Produktion ungestört und du beugst einem Milchstau vor.

Der allerbeste Tipp gegen eine Erkältung in der Stillzeit ist und bleibt aber das Vorbeugen: wer öfter Hände wäscht, hat ein wesentlich geringeres Risiko krank zu werden.

 

Buchtipp: Das Handbuch für stillende Mütter

 

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Quellen:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/12/06/erkaeltung-in-der-stillzeit

Foto: Shutterstock

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