Stillen: So wird aus euch ein Dream-Team!

Über das richtige Anlegen und verschiedene Positionen beim Stillen

29.Nov 2019
Deutsch

Stillen ist nicht nur ein reiner Akt der Ernährung eines Kindes – es ist ein Zeichen der Liebe, ein Gefühl von Geborgenheit und Intimität, aber auch eine große Herausforderung. Manchmal ist es pures Glück – ein andermal aber vielleicht mit Schmerzen verbunden. Der faszinierende Vorgang und das ikonische Bild der stillenden Mutter mit Baby hat nicht nur zahlreiche Künstler inspiriert. Auch ganze Sagen ranken sich darum. So soll die Milchstraße laut griechischer Mythologie aus einem Milchstrahl der Göttin Hera, Frau von Zeus, entstanden sein. Aber zurück ins Hier und Jetzt: wie das erste Anlegen klappt, was der Football-Griff ist und vieles mehr haben wir in diesem Artikel für dich zusammengestellt.


Foto: Luiza Braun on Unsplash

Das erste Anlegen

Der perfekte Start einer Stillbeziehung ist, wenn das Baby direkt nach der Geburt nackt auf der Brust der Mutter liegen und selbst die Brustwarze suchen kann. Die meisten Kinder sind innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt im Stande zu saugen. Mit kleinen Bewegungen des Kopfes wird das Neugeborene versuchen, zum Ziel zu gelangen. Schmatzt dein Baby und versucht es, sich vorwärts zu schieben? Dann hat es den Dreh schon raus! Du kannst es mit der Brustwarze am Mund berühren. Öffnet es diesen dann weit, zieh dein Baby zu dir heran, damit es andocken kann.

Wichtig: dein Baby darf nicht nur die vordere Brustwarze nehmen, sondern sollte auch den größten Teil vom Warzenhof im Mund haben. Das beugt wunden Stellen vor.

Beim ersten Stillversuch kann alles passieren und das ist ok so: manche Babys saugen so stark, dass die Mutter erschrickt. Andere lecken nur vorsichtig an der Brustwarze und wissen vielleicht nicht so recht etwas damit anzufangen. Es kann auch sein, dass das Neugeborene von Medikamenten müde ist und gar nicht saugt. Das erste Stillen kann auch schon nach wenigen Zügen vorbei sein, schließlich geht es noch nicht um große Mengen, sondern wertvolle, gelbliche Vormilch (das Kolostrum) – der Milcheinschuss kommt erst später. Vielleicht schläft dein Schatz erst einmal eine Runde oder sieht sich noch um. Gib euch beiden Zeit und habe Geduld, wenn etwas nicht sofort klappt. Hebammen und Stillberaterinnen helfen dir jederzeit gerne.

Das erste Stillen ist auch für deinen Körper ein wichtiges Signal nach der Geburt: die Gebärmutter zieht sich zusammen und es kann sogar die Blutung in der Nachgeburtsphase schwächer ausfallen.

 

Richtig anlegen

Stillen kann nicht nur ein wundervolles Gefühl sein – Stillen hat auch jede Menge mit Technik und Können zu tun. Sowohl bei dir als auch bei deinem Baby. Was du tun kannst: auf die richtige Anlegetechnik achten. Damit vermeidest du wunde Brustwarzen und sorgst dafür, dass dein Kind genug Milch bekommt.

Tipp: nimm schon vor der Geburt Kontakt zu einer Stillgruppe auf und schau Müttern mit kleinen (!) Babys beim Stillen zu. Beim Zuschauen zu lernen ist viel einfacher als jede Beschreibung. Stillende mit älteren Kindern eignen sich allerdings nur bedingt als „Vorzeigemodell“: hier ist meistens alles schon gut eingespielt und auch die Körperkontrolle und Fähigkeiten des Kindes sind bereits ganz anders – auf die absolut richtige Haltung kommt es nicht mehr so an.

 

1. Mach es dir bequem

Für viele frischgebackene Mütter ist das Stillen im Sitzen oder Liegen anfangs am leichtesten. Eine Sitzgelegenheit mit Armlehne ist hilfreich, um sich abzustützen. Ebenso helfen (Still-)Kissen eine entspannte Haltung einzunehmen. Und zwar im Rücken, unter dem Arm und auf dem Schoß, so dass dein Baby auf Brusthöhe liegen kann. Achte darauf, wirklich unverkrampft zu sitzen – es kann sein, dass du länger in der Position bleiben musst.

 

2.  Mach es deinem Baby so leicht wie möglich

Der Säugling liegt im Idealfall seitlich auf dem Kissen, Bauch an Bauch mit der Mutter und mit dem Kopf auf dem Unterarm bzw. in der Armbeuge. So kannst du den Rücken gut stützen und mit der Hand den Po oder die Oberschenkel halten. Wichtig ist, dass sich Kopf und Körper des Babys in einer Linie befinden: es darf nicht verdreht oder gebeugt liegen und die Brustwarze ohne Bewegung zu fassen bekommen.
 

3. Die Brust anbieten

Nimm mit der freien Hand deine Brust möglichst weit hinten und weit weg vom Warzenhof. Deine Finger sind unten, dein Daumen oben - es sieht aus, als würden sie ein C bilden. Wenn dein Kind den Mund nicht schon offen hat, kannst du jetzt mit der Brustwarze über seine Lippen oder die Wange streichen, um den Suchreflex auszulösen. Suchreflex heißt: das Baby dreht den Kopf zu dir.

 

4. Die Brust richtig fassen

Durch die Berührung mit der Brustwarze öffnet dein Baby im Idealfall den Mund. Wenn nicht: gib ihm Zeit. Drück den Kopf auf keinen Fall gegen deine Brust! Warte, bis es den Mund öffnet, positioniere die Brustwarze über der Zunge im Mund und zieh es dann zu dir. Mach dir keine Sorgen, wenn es nicht beim ersten Versuch klappt. Auch wenn das Stillen eine ganz natürliche Sache ist, brauchen auch die Babys Zeit, um sich an die neuen Abläufe zu gewöhnen. Geduld haben zahlt sich jedenfalls aus, denn dein Kind muss auch einen großen Teil des Warzenhofes im Mund haben, um richtig anzudocken und wirkungsvoll saugen zu können. Unter dem Warzenhof sind nämlich die sogenannten „Milchseen“. Diese müssen zusammengepresst werden, damit genügend Milch fließt. Mit dem Kinn massiert das Kind beim Saugen die Brust sehr effektiv und kann so auch helfen, einen Milchstau zu verhindern. Keine Angst, wenn die Nase deines Schatzes auf der Brust liegt – es bekommt bestimmt noch genug Luft.

 

Verschiedene Stillpositionen

Verschiedene Stillpositionen helfen dabei zu vermeiden, dass deine Brustwarze an nur einer Stelle strapaziert wird. Auch bei Neigung zum Milchstau ist es hilfreich, wenn das Kiefer des Babys unterschiedliche Stellen beim Saugen ausmassiert.

  • Im Liegen stillen: vor allem nachts sehr angenehm, da du später weiterdösen kannst und - sofern dein Baby z.B. im Beistellbett schläft - gar nicht erst aufstehen musst. Auch hier helfen Kissen, um deinen Rücken und/oder den deines Babys abzustützen, deinen Kopf gut in seitlicher Lage zu halten und manchmal auch zwischen den Knien. Vor allem, wenn du Geburtsverletzungen hast, kann letzteres angenehm sein.
     
  • Der Football- oder Rücken-Griff: Das Baby liegt seitlich neben der Mutter und hat seine Beine nach hinten zum Rücken der Mutter. Der Kopf liegt meistens in der Hand der Stillenden und/oder auf einem Polster. Der Vorteil: du siehst gut, ob und wie dein Kind andockt. Es werden andere Bereiche des Drüsengewebes beansprucht.
     
  • Bauch-an-Bauch: Das Kind sitzt mit dem Gesicht zur Mama auf ihrem Schoß. Unterstützend kann die Mutter mit dem C-Griff die Brust halten (siehe Bilder).
     
  • Außergewöhnliche Positionen: Wenn ihr beide eingespielt seid, ist im Grunde alles möglich, was euch beiden angenehm ist. Bei einem starken Milchspendereflex, bei dem viel Milch mit großem Druck aus der Brust schießt und sich der Säugling verschluckt, kann es zum Beispiel hilfreich sein, wenn die Mutter auf dem Rücken liegt und das Baby bäuchlings auf sich hat – auch „Laid-Back-Nursing“ genannt.

 

Ob richtige Stillposition, optimales Andocken oder Hilfe bei Spezialfällen: Sprich am besten mit einer Stillberaterin oder hol dir Tipps aus einer Stillgruppe – die praktischen Erfahrungen aus dem Still-Alltag anderer sind oft Gold wert! Angebote in deiner Nähe findest du in Deutschland bei La Leche Liga bzw. in Österreich hier.

 

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