Stillprobleme: wunde Brustwarzen, Milchstau & Co

Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

14.Feb 2020
Deutsch

Wenn aus dem vollkommenen Glück nach der Geburt und dem ersten Nuckeln an der Brust plötzlich eine schmerzhafte Angelegenheit wird, beginnen viele Frauen zu zweifeln. Ist Stillen wirklich so toll? Muss ich bei einem Milchstau abstillen? Was kann man gegen wunde Brustwarzen tun? Durchhalten zahlt sich jedenfalls für die eigene Gesundheit und die des Kindes aus und es gibt zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten bei Stillproblemen. Welche das sind, zeigen wir in dieser Übersicht.


Foto: Shutterstock

 

#1 Wunde Brustwarzen

Vermutlich Problem Nr. 1 beim Stillen. Oft ist eine nicht optimale Stilltechnik Grund dafür. Wichtig ist, dass das Baby nicht nur die Spitze der Brustwarze, sondern auch möglichst viel vom Warzenhof im Mund hat. Am besten „kitzelt“ man vor dem Stillen das Baby mit der Brustwarze ein bisschen an Mund und Wange, so dass es den Mund reflexartig weit öffnet. Dann schiebt man die Brustwarze so weit wie möglich in den Babymund. Auf diese Art massiert das Kinn des Säuglings die Milch korrekt aus der Brust, statt nur an der Brustwarze zu nuckeln und diese überzustrapazieren. Außerdem kann man dabei darauf achten, dass das Baby von vorne und nicht seitlich zur Brust geführt wird – auch eine „schiefe“ Haltung kann nämlich zu wunden Brustwarzen führen.

Um die empfindliche Haut nicht zu sehr auszutrocknen, sollte auf das Waschen mit bestimmten Seifen und Duschgels verzichtet werden. Klares Wasser und höchstens pH-neutrale Seifen reichen. Zur Pflege und zur Behandlung von wunden Stellen einfach einige Tropfen Muttermilch auf der Brustwarze verstreichen und trocknen lassen. Auch zu viel Salbe oder Cremes können mehr schaden als helfen. Bei Unsicherheiten helfen Hebammen und Stillberaterinnen weiter.

Ebenso pflegend wie die Heilung unterstützend ist Wollwachs oder Lanolin. Dieses gibt es in kleinen Tuben von diversen Marken im Drogeriemarkt und in der Apotheke zu kaufen. Für Stillende gibt es besonders gereinigtes Wollwachs, das weniger potenziell allergieauslösende Stoffe enthält und auch während des Stillens verwendet werden kann.

Hebammen und Stillberaterinnen verwenden spezielle Soft-Laser, die bei Wunden stellen helfen sollen. Ausreichend erforscht und wissenschaftlich belegt ist die Wirksamkeit dieser Methode allerdings nicht.

Ist die Brustwarze sehr offen und/oder eitrig, muss sie unbedingt ärztlich behandelt werden. Eine Ursache für die Entzündung können nämlich auch Bakterien und Pilze sein, die mit Medikamenten bei Mutter und Kind bekämpft werden müssen.
 

Weitere Ursachen für wunde Brustwarzen / entzündete Mamillen:

  • feuchte Stilleinlagen
  • Anatomie des Säuglings: Kurzes Zungenbändchen, Gaumenform
  • zu häufiges Anlegen
  • Milchpumpe: nicht optimale Trichterform, falsche Anlegetechnik, zu starkes Vakuum
  • Spezielle Brustform
  • Andere körperliche Gründe wie Stress oder schlechte Ernährung
     

Behandlungsmöglichkeiten bei wunden Brustwarzen im Überblick:

  • Muttermilch trocknen lassen
  • Frische Luft / keinen BH tragen
  • Wenn BH, dann spezielle Still-BHs verwenden
  • Gereinigtes Lanolin dünn auftragen
  • Milchspendereflex vor dem Anlegen anregen (leichte Massage)
  • Stillpositionen wechseln
  • Auf korrekte Anlegetechnik achten
  • Wenn die Mutter das Stillen beenden will, vorher das Saugvakuum mit einem Finger im Mundwinkel des Kindes lösen, um Zug auf der Brustwarze zu vermeiden
  • Waschen mit Wasser und pH-neutraler Seife wenn nötig
  • Ev. Reinigung mit Kochsalzlösung
  • Bei offenen Stellen ev. Behandlung mit einem Mittel zur Schleimhautdesinfektion (mit Arzt, Ärztin oder Hebamme besprechen!)
  • (antibiotische) Salben nach ärztlicher Verschreibung

 

#2 Milchstau und Burstentzündung

Bei einem Milchstau werden Milchgänge nicht richtig entleert – wie der Name schon sagt, staut sich die Milch in dem Bereich auf. Das kann nicht nur zu harten, schmerzenden Stellen in der Brust führen, sondern auch eine Brustentzündung begünstigen. Der Übergang von Milchstau und Brustentzündung ist oft auch fließend. Erst zeigen sich verhärtete, druckempfindliche Bereiche, später kann die Brust heiß werden und gerötete Bereiche aufweisen. Bei einer Entzündung können in weiterer Folge allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Müdigkeit, Schüttelfrost und Gliederschmerzen hinzukommen.

Ganz wichtig: abstillen ist nicht nötig! Ganz im Gegenteil – das Stillen und richtige Anlegen kann den Milchstau lösen und ist Teil der Heilung.
 

Ursachen für Milchstau und Brustentzündung:

  • Falsches oder immer gleiches Anlegen: bestimmte Bereiche der Brust werden nicht entleert
  • Stress: neuer Alltag mit Baby, viele Besuche, viele Ausflüge, Arbeit & Baby
  • Druck: Schlecht sitzender (Still-)BH, Tragehilfen, Tragetücher, Rucksäcke
  • Sehr volle Brust z.B. beim Milcheinschuss
  • Anatomie von Mutter oder Kind: Hohl- oder Schlupfwarzen, Zungenbändchen
  • Zu viel Milch
  • Lange Stillabstände
  • Zu starrer Stillrhythmus, kein Stillen nach Bedarf
  • Kind trinkt weniger wegen Krankheit oder Zahnen
  • Bakterielle Infektion durch wunde Brustwarze
  • Falscher Einsatz einer Milchpumpe
  • Zu schnelles Abstillen
  • Verstopfter Milchgang durch eingetrocknete Sekrete auf der Brustwarze
 

​​Behandlungsmöglichkeiten bei Milchstau und Brustentzündung:

Am wichtigsten ist, weiterhin zu stillen! Dein Kind hilft dir bei der Heilung, wenn das Kinn beim Stillen in Richtung oder auf der gestauten Stelle liegt und diese damit beim Trinken ausmassiert. Das kann durchaus kreative Lösungen beim Finden der Stillposition erfordern, wenn die harten Stellen im oberen Bereich der Brust sind. Du kannst dich hinlegen und versuchen, das Kind über deine Schulter zu legen, so dass es von oben an die Brustwarze kommt. Ist dein Baby noch sehr klein, kannst du es auf den Boden legen und dich auf Knien von hinten über sein Gesicht beugen, damit es mit dem Kinn die obere Brust berührt. Alles, das für euch stabil und halbwegs bequem ist, ist erlaubt.

Achte wie immer auf eine korrekte Anlegetechnik und Bettruhe.

 

Weitere Tipps und Tricks bei Milchstau und Brustentzündung:

  • Bei sehr voller Brust: damit dein Baby die Brust korrekt fassen kann (nicht nur die Brustwarze) streiche vorher etwas Milch aus oder pumpe sie ab – so kannst du die Milch auch für später aufheben.
  • Wärme und Kälte: vor dem Stillen die Brust mit Kirschkernkissen, warmen Wickel oder Bad wärmen. Nach dem Stillen sorgt Kühlung für Linderung. Beliebt sind Quark- bzw. Topfenwickel und kalte Kohlblätter aus dem Kühlschrank. Ein Cool-Pack in einem Tuch tut es aber genauso.
  • Lockere Kleidung
  • Oft stillen
  • Massage: Brust zwischen den Fingerspitzen sanft durchkneten um den Lymphfluss anzuregen
  • Stillberatung und/oder Hebamme kontaktieren!
  • Bei Fieber und Schmerzen sofort zu Arzt oder Ärztin

 

#3 Brustabszess

In seltenen Fällen kann aus einer Brustentzündung auch ein Brustabzess werden. In diesem Fall sammelt sich Eiter in der Brust. Diese Eiterherde müssen meist chirurgisch entfernt werden. Stillen ist grundsätzlich weiterhin möglich – in schweren Fällen auch nur mit der gesunden Brust. Eine ausführliche Stillberatung ist hier in jedem Fall sehr empfehlenswert. Nicht nur, wenn du weiterstillen möchtest, sondern auch, wenn es ums Abstillen geht.

 

#4 Pilzinfektion / Soor

Auch Soor – also ein Befall mit Pilzen – ist kein Grund abzustillen. Mit den richtigen Medikamenten und Hygienemaßnahmen lässt sich diese Erkrankung meist schnell in den Griff bekommen. Eine Soorinfektion ist nicht immer einfach zu erkennen. Sie kann sich nur beim Kind zeigen, nur bei der Mutter oder bei beiden. Ursachen können wie bei anderen Pilzinfektionen die Anfälligkeit auf Grund von Antibiotika-Einnahme, feuchte Umgebung (z.B. Stilleinlagen) und Stress bzw. ein allgemein geschwächtes Immunsystem sein.
 

Anzeichen einer Pilzinfektion:

  • Juckende oder brennende Brustwarzen
  • Bläschen auf der Brustwarze
  • Rötliche, schuppige Hautstellen
  • Dauerhaft wunde Brustwarzen
  • Stechender Schmerz beim Stillen
  • Beim Baby: weißer Belag im Mund, wunder Windelbereich, Quengeln beim Trinken, Brustverweigerung

 

Behandlung bei Soor:

Eine ärztliche Behandlung und Medikamente sind unumgänglich. Diese können aber auch stillverträglich ausgewählt werden. Außerdem ist sehr auf Hygiene zu achten, da Pilzinfektionen ansteckend sind. Häufiges Wechseln von Handtüchern und Kleidung und die Wäsche mit speziellen Mitteln ist ratsam.

Mehr zu diversen Stillproblemen und vor allem zur richtigen Anlegetechnik findest du auch in unserem Buchtipp: Das Handbuch für stillende Mütter

Wir wünschen gute Besserung!

 

Das könnte dich auch noch interessieren:

Stillen mit grippalem Infekt

Fieber bei Babys: was tun und wann zum Arzt? 

 

Quellen:
http://www.stillen-institut.com/de/wunde-mamillen.html
https://www.lalecheliga.de/stillinformationen/stillprobleme
 

 

Sende diese Seite an einen Freund