Traumberuf Hebamme – auch für den Mann?

Entbindungshelfer sind seltene Pioniere im Kreißsaal

18.März 2019
Deutsch

Während in manchen Regionen Europas der Beruf des Entbindungspflegers genauso normal wie der des Frauenarztes ist, sind in unseren Breitengraden männliche Hebammen die Ausnahme. Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass einer der bekanntesten Geburtshelfer, der Franzose Frédérick Leboyer, bereits in den 1970iger Jahren zu bahnbrechenden Erkenntnissen bei der Geburt verholfen hatte! Trotz der vielfältigen Impulse, die wir in Sachen Geburt männlicher Beobachtungsgabe verdanken, bleibt das Berufsbild der Hebamme von Frauen dominiert. Doch woran liegt das? Ist das Gebären letztendlich reine Frauensache - weil das in der Natur liegt? Fehlt das Vertrauen in die notwendige Unterstützung von Männern, wenn es um Dinge wie Geburtsvorbereitung oder die Stillberatung geht? 

 

Traumberuf Hebamme – auch für den Mann?Foto: Shutterstock

Klar ist jedenfalls, dass der Beruf bei uns fest in Frauenhand ist. Dabei gibt es insgesamt einen Mangel an Hebammen, speziell in geburtsstarken „Babyboom“-Jahren. Laut Hebammenverband ereignen sich in deutschen Kreißsälen oft drei bis vier Geburten gleichzeitig - mit nur einer Hebamme. Pro Jahr betreut eine in Vollzeit arbeitende Hebamme rund 100 Geburten. Zum Vergleich sind es in Großbritannien und Norwegen nur rund 30. Was ein beträchtliches Problem darstellt, sind unerschwinglich hohe Prämien für die Haftpflicht bei selbstständigen Hebammen.

Im Grunde hat eine Hebamme die Rolle der wichtigsten Ansprechperson für werdende Eltern sobald die Schwangerschaft feststeht. Denn sie ist für Vor- und Nachsorge zuständig, also nicht ausschließlich bei der Geburt dabei. Eingesetzt in einer Klinik sind Hebamme und Entbindungspfleger entweder im Kreißsaal oder auf der Wochenbettstation.

Für einen Mann, der zum Entbindungshelfer ausgebildet werden will, gibt es allerdings mehrere Hindernisse. Beispielsweise möglicherweise eine ablehnende Haltung aus den Reihen einer Vielzahl von Kolleginnen oder von Dozentinnen bzw. Trainerinnen. Zusätzlich gibt es Vorurteile, die es schwer machen, einen Praktikums- oder Arbeitsplatz zu finden. Außerdem die spärliche Bezahlung. Aber mit diesen Problemen haben wohl auch Frauen des Öfteren zu kämpfen. Und nicht zuletzt fällt die Entscheidung vieler Frauen schon in der Schwangerschaft auf weibliche Gynäkologen und Hebammen.

Doch warum werden Männer in diesem Beruf heillos unterschätzt? Wird ihnen das tägliche Wiegen und Messen des Babys nicht zugetraut? Oder geht es vielmehr um die Barriere der entblößten weiblichen Intimzone beim Thema Geburt?

Dabei haben Entbindungspfleger einen Bonus. Sie können mit hoher Wahrscheinlichkeit während der Geburt super mit einem Papa in spe umgehen, der eventuell unter Schock steht.

Was ist deine Meinung dazu? Würdest du dich für eine männliche Hebamme entscheiden?

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