Tschüss, Tiefenentspannung!

Blog Gastartikel: Julia von Doppelkinder

14.Okt 2019
Deutsch

Tiefenentspannung während der Schwangerschaft? Julia vom Blog Doppelkinder erzählt von ihrem Leben als Zwillingsmama und ihrer erneuten Schwangerschaft. Zu Beginn hielten die Zuversicht und Tiefenentspannung noch an, doch schnell danach machten sich Schlaflosigkeit und Hunger breit. Ihre intimen Sorgen und Gedanken, wie die Zeit mit drei Kindern nur werden sollte, teilt sie heute in ihrem Gastartikel mit uns.

Frau mit Babybauch

Foto: Doppelkinder

Die Nacht, in der die Zuversicht davonschwamm

Als ich im Frühjahr den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, war ich tiefenentspannt. Also so tiefenentspannt, wie man angesichts zwei pinkfarbener Streifen und zweier dreieinhalbjähriger Söhne sein kann. Ein drittes Kind? Gar kein Problem, schließlich haben mein Mann und ich bislang Zwillinge überlebt – und sie uns! Diese Erfolgsquote gibt uns Recht, wir werden es auch zu fünft schaffen, glasklar.

Die Zuversicht hielt an. Zumindest für einige Monate. Sie schipperte mich verlässlich durch Übelkeit und Müdigkeit, Wutanfälle meiner Söhne über heruntergefallenes Eis, falsch durchgeschnittene Brote und Schlaflosigkeit aufgrund eines immer größer werdenden Babys, das den Organen in meinem Körper den Platz raubt. Bis ich mich neulich in den frühen Morgenstunden, es dämmerte noch nicht und alles war still in unserer Wohnung, ohne meine Zuversicht auf dem weiten Ozean der Mutterschaft wiederfand.
 

Schlaflose Hungerattacken

Ich war aufgewacht, weil in mir gleich zwei Kräfte am Werk waren: Ein ungeborenes Kind, das meinen Bauch zum Indoorspielplatz erklärt hat, und ein leerer Magen. Man zeige mir einen Menschen, der bei zappelnden Gliedmaßen im eigenen Körper plus Hungergefühl wieder in den Schlaf findet.

Also aß ich. Und plötzlich feuerte mein Gehirn ein wahres Gedankengewitter ab: Wie soll es nur werden mit zwei wilden, großen Jungs und einem Baby? Wo ist eigentlich unser Tragetuch? Nur noch wenige Wochen bis zur Geburt und ich habe noch nicht einmal darüber nachgedacht, in welcher Himmelsrichtung auf unserem chaotischen Dachboden die Kiste mit der Erstausstattung stehen könnte! Und welchen Kinderwagen benutzen wir eigentlich jetzt, da der Zwillingswagen längst verkauft ist und ohnehin viel zu groß gewesen wäre?
 

Zu viele Fragen, um zur Ruhe zu kommen

Fragen über Fragen prasselten auf meinen sich eigentlich noch im Halbschlaf befindenden Verstand ein. Es war einer dieser Momente in der Schwangerschaft, in denen man es kurz bedauert, keinen Schnaps trinken zu dürfen. Also nippte ich an meiner Honigmilch und schmierte mir noch ein Brot. Schließlich hat es noch niemandem geholfen, hungrig den Verstand zu verlieren.

Dann tat ich das einzig Sinnvolle, das mir außer Essen und Honigmilch einfiel: Ich atmete tief ein und aus und fing an zu schreiben. Es gibt wohl kaum eine Aufregung auf dieser Welt, die man nicht mit Bauchatmung und einer guten alten To-do-Liste wieder einigermaßen zur Raison bringen kann. Beides lernt man spätestens in Schwangerschaft und im Geburtsvorbereitungskurs.
 

Wir haben als Eltern schwimmen gelernt

Irgendwann gegen 5 Uhr morgens bin ich dann wieder eingenickt. Neben mir schnarchten die werdenden großen Brüder, der baldige Dreifach-Vater ging zur Arbeit und irgendwo am Horizont sah ich die Zuversicht freudig winken. „Es wird schon werden“, rief sie zu mir zu, „mach dir nicht allzu viele Sorgen. Bestimmt wird es anstrengend. Bestimmt wird es laut und turbulent. Bestimmt ist das Leben zu fünft nicht immer wie ein spiegelglatter Ozean. Aber das macht nichts, du bist Mama. Du bist dazu geboren zu schwimmen, auch wenn die Wellen mal höher, der Wind mal stärker und das Meer mal aufgewühlt ist.“

Ich nickte stumm. Sie hat Recht, die Zuversicht. Wir werden uns auch als Eltern von drei Kindern nicht auf alles vorbereiten können. Aber wir dürfen Vertrauen haben. In das Leben und in das, was wir in den letzten Jahren als Familie schon alles gemeistert und gelernt haben.

Sende diese Seite an einen Freund