Über Wochenbett und Baby Blues

Blog Gastartikel: Little Paper Plane

14.Mai 2019
Deutsch

So eine Geburt ist kein Spaziergang, so viel ist klar. Aber das Wochenbett ist auch kein Zuckerschlecken, weiß Evelyn von Little Paper Plane.

Über Wochenbett und Baby Blues

Milchflecken, Augenringe, Papiertaschentücher und Wasserflaschen wohin das Auge reicht: Jap, das ist das Wochenbett. Eine Zeit, die eigentlich ganz seltsam ist, denn alles dreht sich um das kleine, neue Menschlein, während man selbst aber auch viele Veränderungen (und Schmerzen) durchmacht.

Das Wochenbett bei meiner ersten Tochter war eine Katastrophe. Ich war schlicht und einfach nicht darauf vorbereitet. Irgendwie war in meinem Kopf die Vorstellung, dass ich es nur bis zur Geburt schaffen müsste, danach ginge eh alles von selbst. Instinktiv und so. Da hatte ich mich aber wahnsinnig getäuscht. Das Stillen wollte nicht klappen, ich war von der Geburt erschöpft, die Hormone machten mir einen Strich durch die Rechnung und irgendwie standen gefühlt drölfzig Verwandte und Freunde vor der Tür um unser Baby kennenzulernen.

Es war einfach zu viel. Mein Körper brauchte Ruhe und mein Kopf auch. Aber ich war damals noch nicht in der Lage diese Ruhe einzufordern. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil die Verwandten angereist waren und ich ihnen vor der Geburt gesagt hatte, es wäre okay, vorbeizukommen. Außerdem dachte ich es läge an mir, dass das Stillen nicht klappen wollte, bekam aber von niemanden im Krankenhaus Hilfe oder Unterstützung.

Bei Baby Nummer zwei war es anders. Oder vielleicht war ich einfach anders. Es war mir klar, dass die Zeit nach der Geburt nicht easy peasy sein würde. Ich wusste um Stillprobleme und Geburtsverletzungen Bescheid und es war mir klar, dass ich Ruhe brauchen würde, um mit der neuen Situation klarzukommen und, um den kleinen Spatz kennenzulernen. Ich hatte mich – zumindest soweit es geht – auf den Baby Blues vorbereitet und wusste, dass es normal sein würde, einfach von null auf hundert loszuheulen.

Und es war tatsächlich einfacher. Es war bei weitem kein „perfektes“ Wochenbett (gibt es das überhaupt?) und der Baby Blues erreichte genau an meinem Geburtstag seinen Peak, aber ich hatte gelernt Ruhe einzufordern, wenn ich sie brauchte, und Hilfe sowieso. Das Wissen, das alles seine Zeit braucht, hat mir beim zweiten Mal sehr geholfen. Und so fühlte ich mich müde und erschöpft aber es war in Ordnung, denn so ein Wochenbett ist nicht dafür da, Babypartys zu schmeißen, Verwandte zu bewirten und Ahnung von allem zu haben. Sondern dafür, zu lernen, dass es ok ist Ruhe zu brauchen und die Verwandtschaft mal außen vor zu lassen. Sich selbst zuliebe. Man hat schließlich gerade etwas Wundervolles geschaffen! J

Übrigens stimmt es meiner Meinung nach tatsächlich, dass sich bei Baby Nummer zwei das Herz verdoppelt. Alles dazu lest ihr in meinem letzten Gastartikel

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