Verbotene Lebensmittel in der Schwangerschaft

Wie sieht die richtige Ernährung aus und was darfst du nicht essen?

21.Feb 2020
Deutsch

Die Schwangerschaft ist eine spannende Zeit voller Veränderungen. Plötzlich ist man vor allem nicht mehr nur für sich selbst verantwortlich, sondern auch für das Kind – und das schon vor der Geburt. Besonders beim Thema Ernährung in der Schwangerschaft tauchen darum viele Fragen auf. Welche Lebensmittel sind verboten? Wie viel Kaffee darf man trinken? Und gibt es Dinge, die man besser nicht mehr tun sollte? Ein kleiner Überblick:


Foto: Shutterstock
 

Das solltest du nicht essen:

In der Schwangerschaft ist die Immunabwehr des Körpers herabgesetzt. Eigentlich harmlose Krankheiten können darum komplizierter verlaufen. Manche Erreger können bei der Mutter wiederum gar keine Symptome auslösen, aber die Entwicklung des Kindes nachhaltig stören und/oder eine Früh- bzw. Fehlgeburt auslösen. Außerdem können bestimmte Keime über die Plazenta direkt zum Kind gelangen und schwere Probleme wie Gehirndefekte verursachen. Zu den potenziell gefährlichen Lebensmitteln zählen in erster Linie einige rohe Lebensmittel oder aus rohen Produkten hergestellte Speisen, denn nur länger anhaltende Hitze tötet Bakterien, Viren & Co. zuverlässig ab
 

#1 Milchprodukte

Hier besteht das Risiko an der durch Bakterien verursachten Listeriose zu erkranken. Sie ist für gesunde Erwachsene keine schlimme Krankheit, kann aber zu schweren Komplikationen wie einer Früh- oder Fehlgeburt führen.

Milchprodukte, die aus Rohmilch hergestellt werden, sind darum für Schwangere tabu. Rohmilch muss auf der Verpackung ausgewiesen werden, das heißt im Zweifel einfach die Inhaltsstoffe genau durchlesen.

Gewisse Lager- und/oder Produktionsbedingungen bergen die Gefahr, dass sich Listerien ungewollt im Produkt befinden, obwohl der Inhalt aus pasteurisierter (und damit unbedenklicher) Milch hergestellt ist. Das ist z.B. bei fertig geriebenem Käse in der Packung der Fall. Auch offen angebotene Käsesorten wie Mozzarella oder Feta in Schalen sollten wegen der möglicherweise hygienisch nicht einwandfreien Aufbewahrung gemieden werden. Verpackter Mozzarella und Feta aus pasteurisierter Milch dürfen aber gegessen werden! Auch lange getrockneter Hartkäse aus Rohmilch wie Parmesan ist für Schwangere geeignet (der Salzgehalt tötet Listerien ab).
 

Übersicht Milchprodukte - das solltest du NICHT essen:

  • Rohmilch bzw. Produkte aus Rohmilch (außer Parmesan)
  • Weichkäse wie Brie, Camembert, Gorgonzola
  • fertig geriebener Käse
  • offen angebotener Mozzarella oder Feta
  • Die Schale/Rinde von Käse
  • Käse mit „Oberflächenschmiere“** wie Quargel, Tilsiter, Limburger oder Münster (bei der Reifung wird zum Teil sog. Rotschmiere verwendet, der Käse hat keine Rinde oder Schale, aber kann eine leicht schmierige, teils rötliche Schicht aufweisen)
     

Übersicht Milchprodukte - das DARFST du essen:

  • ALLE Käsesorten, die erhitzt wurden. D.h. eine Sauce mit Gorgonzola, die gekocht wurde, kann auch in der Schwangerschaft ohne Bedenken verzehrt werden. Gleiches gilt für Überbackenes wie z.B. Aufläufe mit bestimmten Weichkäse oder Pizza-Beläge.
  • Lange gereifter Hartkäse ohne Rinde wie z.B. Parmesan
  • Industriell gefertigter Feta, Frischkäse wie Ricotta, Cottage Cheese oder Mascarpone sowie Mozzarella aus pasteurisierter Milch
  • Schnittkäse aus pasteurisierter Milch ohne Rinde wie z.B. Emmentaler, Gouda, Butterkäse, Edamer

Die meisten im Supermarkt erhältlichen Käsesorten sind übrigens aus pasteurisierter Milch – lies bei Unsicherheiten einfach die Packungsangaben!

 

#2 Fleisch & Wurst

Finger weg heißt es bei rohem Fleisch und Rohwurst. Grund für die Warnung ist die Möglichkeit einer Toxoplasmose-Erkrankung. Sie kann zu schweren Schäden bei der Gehirnentwicklung des Kindes führen. Hatte die Mutter bereits einmal Toxoplasmose, ist sie immun. Das wird für gewöhnlich zu Beginn der Schwangerschaft bei einem Bluttest überprüft. Toxoplasmose negative Frauen (also solche, die keine Erkrankung und damit auch keine Antikörper haben) müssen allerdings achtgeben.
 

Übersicht Fleisch & Wurst - das darfst du NICHT essen:

  • Rohe Fleischerzeugnisse wie z.B. Beef Tatar, Roastbeef, Carpaccio
  • Rosa gebratenes Fleisch bzw. nicht völlig durchgegartes Fleisch (z.B. Steaks medium oder rare)
  • Konservative Sicht: Rohwurst wie Salami, Kantwurst und Chorizo komplett meiden (siehe aber auch unten liberalere Empfehlung)
  • Rohe Pökelfleischerzeugnisse wie z.B. Parmaschinken, Rohschinken, Serrano-Schinken, Prosciutto, Schinkenspeck
  • Leber, Innereien (Belastung mit Schadstoffen bzw. hohe Konzentration von Vitamin A)
  • Wurstsalate und Fleischaufstriche, die offen angeboten werden
     

Übersicht Fleisch & Wurst - das DARFST du essen:

  • Wie oben beim Käse: die Gefahr besteht nur bei Genuss von nicht erhitzten Lebensmitteln. Salami oder Rohschinken, die z.B. auf der Pizza mitgebacken wurden, sind kein Problem!
  • Liberalere Empfehlung*: Salami, Prosciutto oder Chorizo über 4 Tage einfrieren, da dadurch mögliche Toxoplasmose-Erreger abgetötet werden.
  • Gekochtes bzw. durchgebratenes Fleisch
  • Industriell gefertigte Wurst, die erhitzt wurde wie z.B. Brühwürste (Frankfurter/Wiener Würtschen oder Mortadella), gegarte Pökelfleischware wie z.B. gekochter Schinken oder gekochtes Geselchtes. Im Zweifelsfall beim Fleischhauer/Metzger beraten lassen!

Beim Kochen mit Fleisch besonders auf die Hygiene in der Küche achten. Es sollten zum Beispiel verschiedene Schneidunterlagen und Messer für Fleisch und Gemüse verwendet werden.

Und besonders wichtig, „durchgebraten“ heißt: das Fleisch muss für mindestens zwei Minuten auf mindestens 70°C erhitzt werden - und zwar auch im Inneren! Im Zweifelsfall ein Bratenthermometer verwenden oder das Fleisch aufschneiden und darauf achten, dass es auch innen nicht mehr rosa, sondern eher grau ist und der austretende Saft ganz klar ist.
 

#3 Fisch

Wie beim Fleisch ist auch roher Fisch wegen möglicher Krankheitserreger bzw. Bakterien (z.B. Salmonellen und Listerien) ein No Go für Schwangere. Eine gute und köstliche Alternative sind in der Schwangerschaft diverse vegetarische Maki-Sorten.

Hochseefische (z.B. Thunfisch) können mit erhöhten Mengen an Schadstoffen wie Quecksilber belastet sein und sollten daher in der Schwangerschaft aus Vorsichtsgründen nicht übermäßig gegessen werden.

Eine Empfehlung* lautet: nicht mehr als 2 Thunfisch-Steaks pro Woche oder 4 Dosen Thunfisch (ca. 150g Abtropfgewicht).

Abgeraten wird außerdem je nach Quelle von:

Schwertfisch, Hai, Hecht, Butterfisch, Heilbutt, Schnapper, diversen Makrelen, Barsch, Seeteufel und eingelegten Matjesfilets.

Bei geräuchertem Fisch wie z.B. Räucherlachs unterscheiden sich die offiziellen Empfehlungen. In Österreich rät das Gesundheitsministerium davon ab, während man in Großbritannien den Verzehr für in Ordnung hält.

 

#4 Obst & Gemüse

Im Urlaub in fernen Ländern lautet die Empfehlung: Cook it, peel it or leave it (koch es, schäle es oder lass es). Ganz so streng ist es bei uns in der Schwangerschaft aber zum Glück nicht: wir haben sauberes Wasser und strenge Auflagen bei der Produktion von Obst und Gemüse, d.h. gründliches Waschen reicht auch.

Problematisch können fertig geschnittene und abgepackte Salate sein. Diese sind, wie unabhängige Tests zeigen, oft stark mit Bakterien und Schimmelpilzen belastet.

 

#5 Andere Lebensmittel

  • Generell wird von essfertigen, abgepackten Speisen wie Sandwiches, Brötchen, Salaten, Obsttellern und offen angebotenen Waren wie Aufstrichen, Oliven etc. abgeraten, da sie mit Bakterien und Schimmelpilzen belastet sein oder bereits verdorben sein könnten.
  • Eier sind völlig hartgekocht bzw. in gekochten Speisen ungefährlich. Speisen, die rohes Ei enthalten wie Tiramisu oder Mayonnaise sowie Spiegeleier und weiche Eier sollten vorsichtshalber nicht gegessen werden.
  • Tiefgefrorenes Gemüse oder Obst (z.B. Beeren) sollten vor dem Essen erhitzt und nicht roh verarbeitet werden.
  • Manche Speisen und Gewürze können Wehen fördern oder auslösen. Mit Vorsicht bzw. in Maßen zu genießen sind z.B. Ingwer, Nelken und Zimt.
  • Lakritze enthält eine Säure, die den Fötus schädigen kann.
  • In Österreich wird von offizieller Seite auch von einer veganen Ernährung abgeraten.

Im Zweifel besprich dich mit einem Arzt oder einer Ärztin deines Vertrauens bzw. ausgebildeten Ernährungsfachleuten. Empfehlungen ändern sich ebenso laufend wie Trends und wissenschaftliche Erkenntnisse. „Normale“ Mischkost zu essen bedeutet nicht automatisch, dass man sich gesünder ernährt, eben so wenig wie Vegetarier oder Veganer von Haus aus gesünder sind. Im Einzelfall entscheidet die Auswahl der Speisen. Allgemein kann eine ausgewogene, zum Großteil auf Gemüse und Getreide basierende Ernährung empfohlen werden, während Zucker, Weißmehl, sehr fette und stark verarbeitete Speisen mit vielen Zusätzen weniger empfehlenswert sind. Das gilt natürlich nicht nur in der Schwangerschaft.

 

Das solltest du nicht trinken: 

Alkohol sollte unbedingt komplett vermieden werden. Es gibt keine Studie dazu, welche Menge „noch O.K.“ sein könnte – somit ist jedes Gläschen potenziell gefährlich für das ungeborene Kind.

Der Konsum von Koffein sollte in der Schwangerschaft ebenfalls reduziert werden. Ein hoher Koffeinkonsum kann eine Fehlgeburt verursachen, zu einem niedrigen Geburtsgewicht führen und das Risiko später an Gesundheitsproblemen zu leiden erhöhen.
 

Übersicht Empfehlung Getränke in der Schwangerschaft:

  • Kaffee max. 2–3 Tassen pro Tag
  • Grün- oder Schwarz-Tee max. 4 Tassen pro Tag
  • Achtung: auch Eistee, Cola und Eiskaffee enthalten Koffein!
  • Energy Drinks sollten wegen des erhöhten Koffeingehalts und anderen bedenklichen Inhaltsstoffen komplett gemieden werden.
  • Chininhaltige Getränke wie Tonic oder Bitterlemon: gelegentlich 1-2 Gläser laut Berufsverband der deutschen Frauenärzte unbedenklich, die konservative Meinung des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung lautet, gänzlich darauf zu verzichten. Allerdings ist nur ein Fall von Entzugserscheinungen bei einem Säugling bekannt – die Mutter trank laut Quelle täglich über einen Liter Bitterlemon.
  • Frisch gepresste Säfte in Läden (Maschinen können verunreinigt sein)
     

In konkreten Zahlen sprechen manche Quellen* von max. 200 mg Koffein/Tag.
Zum Vergleich:

  • 1 Tasse Filterkaffe: ca. 140 mg
  • 100 ml Cola: ca. 10 mg
  • 1 Tasse Tee: ca. 75 mg
     

Das solltest du nicht tun:

  • Rauchen schadet dem Kind. Und zwar auch schon im Bauch. Außerdem zeigen Studien, dass das Risiko für SIDS, den plötzlichen Kindstod, bei rauchenden Müttern signifikant steigt. Solltest du zum Rauchen aufhören wollen, und nicht genau wissen, wie du in der Schwangerschaft am besten vorgehst, hilft dir dein Arzt bzw. deine Ärztin gerne weiter.
  • Sportarten mit Sturzgefahr bzw. der Möglichkeit, einen Schlag auf den Bauch zu erhalten, sollten in der Schwangerschaft nicht mehr ausgeübt werden. Es besteht die Gefahr einer Plazentaablösung und damit Lebensgefahr für Mutter und Kind.
  • Auch beim Haare Färben ist Vorsicht geboten. Hier findest du mehr dazu.

Beachte bitte, dass es sich hier um eine Auswahl von allgemeinen Tipps und keine abschließende Liste handelt. Je nach persönlicher Vorgeschichte und Schwangerschaftsverlauf können sich andere Empfehlungen ergeben. Auch der Stand der Wissenschaft kann sich ändern. Bei Unsicherheiten und Fragen zu deiner konkreten Situation wende dich unbedingt an einen Arzt oder eine Ärztin. Auch Hebammen können dir Auskünfte geben.

Vom österreichische Gesundheitsministerium gibt es übrigens zum Thema Essen und Trinken eine übersichtliche Tabelle für Schwangere. Die deutsche Bundesanstalt für Ernährung hat eine Infobroschüre zum Download für Schwangere publiziert.

Wir hoffen, dass du trotz der vielen Gebote weiter viel Spaß in deiner Schwangerschaft hast und diese genießen kannst. Gute Laune und Entspannung sind für dich und die Entwicklung deines Babys nämlich ebenso wichtig, wie das richtige Essen!

 

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Quellen:
https://www.richtigessenvonanfangan.at/eltern/richtig-essen/schwangere-und-stillende/was-sollte-gemieden-oder-eingeschraenkt-werden/schwangerschaft/
*https://www.nhs.uk/conditions/pregnancy-and-baby/foods-to-avoid-pregnant/
https://www.coca-cola-deutschland.de/stories/wie-viel-koffein-ist-in-coca-cola-enthalten
https://www.focus.de/familie/erziehung/familie/familie-chinin-in-geringen-massen-fuer-schwangere-unbedenklich_id_3235373.html
https://www.test.de/Chinin-Bitterlimo-nichts-fuer-Schwangere-1276977-0/
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/72993/Studie-Lakritz-in-der-Schwangerschaft-schadet-der-Entwicklung-des-Kindes
** http://www.hebammenbetreuung.at/upload/editor/files/Empfehlungen%20zur%20Vermeidung%20von%20LM-Infektionen%20in%20der%20Schwangerschaft%20_Update%202013_FINAL_1.pdf

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