Vergleiche unter Eltern

Wie man dabei gelassen bleibt

24.Mai 2020
Deutsch

Eltern sind natürlich sehr stolz, wenn ihre Kinder neue Fähigkeiten lernen. Da die Entwicklung individuell unterschiedlich ist, sind manche Kinder naturgemäß schneller dran als andere. Das verleitet so manche Erwachsene dazu, in einen kleinen Wettbewerb zu verfallen – das kann sogar richtig ansteckend sein und durchaus unangenehme Ausmaße annehmen. Wie man bei diesem übermäßigen Ehrgeiz gelassen bleibt und aus dem Rennen „aussteigt“ verraten wir dir heute.


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1. Wissen ist Macht

Wer weiß, wie groß die Bandbreite der individuellen Entwicklung in verschiedenen Bereichen ist, kann sich entspannt zurücklehnen. Die Individualität startet, wie man diversen Tabellen entnehmen kann, bereits am ersten Tag:

  • Geburtsgewicht: 2500-4500g (das Robert-Koch-Institut stuft darunter als „niedrig“, darüber als „hohes Geburtsgewicht“ ein)*
  • Lächeln: 6-8 Wochen – dabei ist das „soziale Lächeln“ gemeint, also eine absichtliche Geste. Babys, die davor lächeln, tun das nicht bewusst, insofern ist es kaum vergleichbar. Lächeln ist übrigens angeboren und keine erlernte Eigenschaft.
  • Krabbeln: beginnt ca. zwischen dem 7.-10. Monat, aber: ganze 13% der Babys lassen das Krabbeln aus und beginnen gleich mit dem Laufen! Auch das macht Vergleiche oft völlig sinnbefreit.
  • Sitzen: abhängig vom Robben/Krabbeln, denn die meisten Kinder können erst sicher alleine sitzen, wenn sie sich auch fortbewegen können. Eine Angabe ist also kaum möglich. Das angelehnte oder unterstützte Sitzen eignet sich natürlich nicht für Vergleiche. Babys sollten, um Schäden an der Wirbelsäule zu vermeiden, auch nicht allzu lange in dieser passiven Sitzposition bleiben (auch wenn viele die Aussicht genießen)
  • Laufen: Frühstarter legen mit 8-9 Monaten los. Bis zum 16. Monat können es die meisten Kinder.
  • Sprechen: mit 12-18 Monaten sagen viele Kinder ihr erstes Wort.
  • Zähne: bei den meisten Kindern kommt der erste Zahn frühestens im 6. Monat. Bei manchen startet der Durchbruch später – dafür kommen gleich 2 Zähne gleichzeitig.

Solltest du dir bezüglich der Entwicklung deines Kindes in einem Bereich unsicher sein, helfen Kinderärzte und -ärztinnen am besten weiter – vor allem, wenn sie das Kind schon kennen.

Die Entwicklung ist in vielen Bereichen individuell so unterschiedlich, dass Vergleiche kaum möglich sind. Wenn du Sorgen hast, hole dir eher ärztlichen Rat als gut gemeinte Meinungen aus dem Umfeld.  

 

2. Das ganze Bild sehen

Besonders im ersten Lebensjahr konzentriert sich der Blick vieler Eltern auf motorische Entwicklungsschritte wie rollen, krabbeln, stehen, gehen oder sitzen. Bewegungstalente haben hier natürlich „die Nase vorn“. Das heißt aber nicht, dass sich bei anderen Kindern nichts tut – ihre Talente liegen nur woanders bzw. liegt der Fokus eventuell zuerst auf einem anderen Bereich, der weniger augenscheinlich ist. Die kognitive Entwicklung, das Verständnis für Zusammenhänge oder soziale Fertigkeiten sind anfangs unscheinbarer, aber dennoch vorhanden. Wer es schafft, auch diese subtilen Meilensteine zu erkennen, kann Vergleiche vielleicht auch gelassener nehmen. Bewegung ist schließlich nicht alles.
 

3. Tue nur, was euch guttut

Eine mögliche Strategie für mehr Gelassenheit: meide Umgang, der dir oder euch nicht guttut. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn dich Eltern mit stark ausgeprägtem Hang zum Baby-Vergleich anstrengen oder du die Bemerkungen gar als Druck empfindest. Treffen mit anderen Eltern und Kindern sollten angenehm sein und stressfreien Austausch ermöglichen – sind sie das nicht, ist es vielleicht ratsamer oder einfacher, sich erst einmal aus dem Weg zu gehen.
 

4. Fordern statt fördern

Jedes Kind kommt mit seinem eigenen „Entwicklungsplan“ auf die Welt. Beschleunigen lässt sich ein Entwicklungssprung in den meisten Fällen also nicht. Allerdings kann man dem Kind natürlich Möglichkeiten bieten, sich zu entfalten. Kinder, die von Anfang an viel Freiraum und Gelegenheit haben, sich zu bewegen, schaffen motorische Entwicklungsschritte dadurch nicht früher, aber so früh es ihnen eben möglich ist, d.h. der Sprung wird nicht verzögert. Die Betonung liegt aber auf: von Anfang an. Laufen lernt man z.B. nun einmal auf keinen Fall innerhalb weniger Tage, aber die Voraussetzungen dafür lassen sich stärken. Sorge für eine sichere Umgebung, in der dein Schatz die Welt so selbstständig wie möglich entdecken kann – das fördert eine gute Motorik ebenso wie die geistige Entwicklung.

Mit Babyzeichenkursen kannst du dein Baby beim Spracherwerb spielerisch unterstützen. PEKiP eignet sich wiederum gut dafür, das Gefühl für den eignen Körper und seine Fähigkeiten zu schärfen.

Nichts davon sollte aber mit Zwang und übertriebenem Ehrgeiz erfolgen. Vielmehr geht es darum, gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen. Wie so oft hilft am Weg zu mehr Gelassenheit ein Satz besonders vielen Eltern: „Es ist nur eine Phase“. Genießt sie – am Ende schlafen die wenigsten18-Jährigen noch bei den Eltern im Bett, noch rutschen sie für immer am Windel-Po durchs Wohnzimmer.

 

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Quellen:

*https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Studien/Adipositas_Monitoring/Vor_und_nach_Geburt/PDF_Themenblatt_Geburtsgewicht.pdf?__blob=publicationFile

https://de.wikipedia.org/wiki/Soziales_L%C3%A4cheln

https://www.sueddeutsche.de/wissen/menschliche-mimik-das-eisige-laecheln-1.384737

https://www.netdoktor.de/baby-kleinkind/babys-erstes-jahr/krabbeln/

https://www.netdoktor.de/baby-kleinkind/babys-erstes-jahr/laufen-lernen/

https://www.kindererziehung.com/Paedagogik/Entwicklung/Sprachentwicklung.php

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