Vitamin K

Müssen Neugeborene die Prophylaxe erhalten?

14.Mai 2020
Deutsch

Schon kurz nach der Geburt eines Babys werden Eltern mit den ersten Entscheidungen und ihrer zukünftigen Verantwortung konfrontiert: welche Mittel bzw. Medikamente sollen gegeben werden? Warum es die Vitamin-K-Prophylaxe gibt und was Kritiker dazu sagen, liest du hier.


Foto: Kelly Sikkema via Unsplash

 

Wofür braucht der Mensch Vitamin K?

Vitamin K ist ein fettlösliches Vitamin und hilft dem Körper bei der Blutgerinnung, dem Knochenstoffwechsel sowie dem Zellwachstum.

 

Warum erhalten gerade Neugeborene Vitamin-K?

Ein Vitamin-K-Mangel kann bei Neugeborenen zu schweren Hirnblutungen führen. Diese sollen mit der Prophylaxe verhindert werden. Erstmals beschrieb ein Arzt im Jahr 1894 die Blutungen bei Neugeborenen am 2. und 3. Lebenstag. Diese betraf zwar nur 0,6% der Kinder, die Sterblichkeitsrate lag aber bei erschreckenden 62%. Es können aber auch später noch lebensbedrohliche Blutungen im Hirn oder Magen-Darm-Bereich auftreten.

Der Zusammenhang der Blutungen mit dem Vitamin-K-Mangel wurde erst 1929 entdeckt. Die künstliche Herstellung des Vitamins gelang ganze 10 Jahre später. Und auch dann sollte es noch weitere 22 Jahre dauern, bis zum ersten Mal die Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde die Prophylaxe nach der Geburt empfahl (1961).

Kritiker meinen, dass selbst mit der Vitamin-K-Gabe die lebensgefährlichen Blutungen bei Säuglingen nicht völlig vermieden werden konnten und es keine Langzeitstudien zu Nebenwirkungen der hohen Vitmain-K-Dosis gäbe.**

Diverse ärztliche Publikationen – unter anderem der Deutschen Ärztekammer – widersprechen dieser Meinung aber.*** Außerdem gab es den Verdacht, dass die Vitamin-K-Gabe in Form einer Spritze das Krebs- und Leukämierisiko erhöhe. Das konnte in Fallkontrollstudien weder bewiesen noch widerlegt werden, in Deutschland wird darum aber dennoch meist die orale Verabreichung bevorzugt.

Die weit verbreitete Meinung ist, dass sich die Vitamin-K-Prophylaxe jedenfalls auszahlt, bzw. mehr Nutzen als Risiko birgt. Die intramuskuläre Gabe beugt auch späten Blutungen nahezu vollständig vor.

Eine Einnahme von Vitamin K in der Schwangerschaft bringt dem Baby übrigens nichts: die Plazentaschranke verhindert den Transport zum Kind. Das dürfte allerdings von der Natur absichtlich eingerichtet sein: man nimmt an, dass zu hohe Vitamin K Mengen zu Gen-Defekten führen können.
 

Die Vitamin-K-Gabe nach der Geburt wird in vielen Ländern empfohlen.

 

Wie wird Vitamin K nach der Geburt verabreicht?

Es gibt bzw. gab 3 verschiedene Konzepte. Keines davon wurde bisher aber durch eine sogenannte „randomisierte“ Studie kontrolliert (dabei handelt es sich um die hochwertigste Studienform), sondern die Effektivität protokolliert. Die Varianten sind:

  • 3 x 2mg oral (z.B. Deutschland, Schweiz)
  • 1 mg intramuskulär (z.B. Neuseeland, Großbritannien, Dänemark)
  • Langfristig: 2x 2mg oral + 2mg/wöchentlich bis Stillende (Frankreich)

Eigentlich gilt die intramuskuläre Gabe als nahezu 100%iger Schutz auch vor späteren Blutungen, die vorkommen können, und die bei oraler Gabe nicht vollständig ausgeschlossen sind. Auf Grund der oben angeführten Bedenken (Krebsrisiko und weniger Toleranz der Eltern bei einer Spritze) wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz offiziell dennoch die orale Gabe empfohlen. Allerdings fehlen zu allen Annahmen wirklich gute Studien.

 

Welche Lebensmittel enthalten Vitamin K?

Sobald das Kind Beikost erhält, nimmt es Vitamin K mit der Nahrung auf. Grünes Gemüse enthält ebenso Vitamin K wie fette Milch, Eigelb und Fleisch. Besonders reich an Vitamin K ist Grünkohl. Ebenfalls einen relativ hohen Gehalt haben Spinat, Traubenkernöl, Rapsöl, Kichererbsen, Brokkoli und Sojamehl.

Auch Muttermilch enthält Vitamin K, allerdings in relativ geringer Menge. Dass das Kolostrum mehr Vitamin K enthält als Muttermilch wurde in einer Studie übrigens widerlegt.****

Tipp: Um euch Stress bei der Geburt zu sparen, sollte die Vitamin-K-Gabe im Idealfall schon Teil der Geburtsüberlegungen im Vorfeld sein und kann auch im Geburtsplan festgehalten werden.

 

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Quellen:

* https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-k/

https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/neugeborene-brauchen-vitamin-k/

**Die Hebammensprechstunde, Ingeborg Stadelmann, 2. Auflage 2019, S. 456 f.

https://www.springermedizin.at/vitamin-k-prophylaxe-bei-neugeborenen-update-2013/14916614

*** https://www.aerzteblatt.de/archiv/8504/Vitamin-K-Prophylaxe-Schutz-vor-Blutungen-ohne-Krebsrisiko-moeglich

****https://de.wikipedia.org/wiki/Vitamin_K

https://www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/Bekanntgaben/Archiv/2015/201510091.pdf

https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/024-022l_S2k_Prophlaxe_Vitamin_K_Mangel_Neugeborene_2016-04.pdf

https://digitalcollection.zhaw.ch/bitstream/11475/630/1/Winter_Lea_HB08_BA.pdf

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