Vorfreude auf die Geburt – Ein Plädoyer gegen Angstmacherei unter Müttern

Blog Gastartikel: Einer schreit immer

06.Jan 2019
Deutsch

Gruselgeschichten aus dem Kreißsaal? Gastbloggerin Neffa vom Blog Einer schreit immer kennt diese zu Genüge und plädiert für mehr Vorfreude und weniger Panikmache vor der Geburt für werdende Mütter.

Vorfreude auf die Geburt – Ein Plädoyer gegen Angstmacherei unter Müttern

Foto: Shutterstock

40 Wochen trägt man seinen kleinen Schatz unter dem Herzen, gespannt wartend wie er oder sie wohl aussehen mag. Ein Grund zur Freude, sollte man meinen. Aber die Wahrnehmung vieler werdender Mamis sieht leider ganz anders aus, wie ich in meinem letzten Geburtsvorbereitungskurs lernen musste…

Obwohl mir mit unserem Kind Nummer 4 schon die dritte Geburt bevorstand, habe ich mich entschlossen nochmal einen Vorbereitungskurs zu besuchen. Na klar, viel Neues sollte ich da wohl nicht lernen, hatte ich doch bereits für unseren Sohn und die Zwillinge die gleichen Kurse besucht. Doch für mich gehörte die Geburtsvorbereitung einfach dazu. Der Austausch mit anderen werdenden Mamis ist für mich ein kleiner Countdown zur lang ersehnten Geburt. Nennen wir es eine Art Adventskalender für werdende Mamas. Vorfreude war nämlich für mich die stärkste Emotion unmittelbar vor dem Kennenlernen mit meinen Kindern. Entsprechend euphorisch startete ich also in den nun dritten Kurs, musste aber feststellen, dass ich mit meinem durchweg positiven Hormoncocktail recht alleine dastand. „Man hört ja so viel Gruseliges…“

Ich fühlte mich schon etwas wie eine esoterische Hippie-Mutter, wenn ich von meinen Erfahrungen im Kreißsaal berichtete, während die anderen Mamis mich mit hochgezogener Augenbraue skeptisch beäugten. Im Gegenzug war ich ebenso skeptisch, als die werdenden Mamis, allesamt gestandene Frauen, ihre Sorgen und Ängste äußerten und ziemlich detaillierte Fragen zum Thema Schmerzen, Wehensturm, Dammschnitt und bleibenden Schäden nach der Geburt stellten. Mir dämmerte es aber erst als meine Sitznachbarin kleinlaut flüsterte: „Man hört ja so viel Gruseliges…“

Zugegeben, eine Geburt ist kein Spaziergang am Ententeich, auch ich hatte bei beiden Geburten mit Komplikationen zu kämpfen, aber die Geburt meiner Kinder als Horror zu bezeichnen, fiel mit trotzdem nicht ein. Ich überlegte, welche Geburtsberichte ich von Freundinnen zu hören bekommen hatte und ja, es war nicht viel Positives dabei. Als erstes fiel mir eine Geschichte ein, die mir eine nette Bekannte vor der Geburt meines ersten Kindes erzählte. Es ging um eine sehr bildhafte Erzählung einer Geburt („Ich kenne jemanden, deren Nachbarin hat eine Cousine, bei der war das so…“), nach der die frisch gebackene Mama noch Monate mit Harn- und Stuhlinkontinenz zu kämpfen hatte, da ihre Geburtsverletzungen so schwer waren, dass sie froh sein kann überhaupt überlebt zu haben. Und das Kind der Nachbarin hatte die Nabelschnur mindestens 11mal um den Hals gewickelt, das hätte auch böse ausgehen können.

Auch die Damen aus dem Vorbereitungskurs berichteten, dass ihnen vor allem über Dammrisse, entzündete Kaiserschnittnarben und tagelange Wehenstürme erzählt wurde. Ich würde nicht behaupten, dass die Tage nach der Geburt rosarot und voller Luftballons und Einhörner sind, aber bin ich wirklich die Einzige, für die eine Geburt etwas Schönes ist?
 

Mütter! Habt keine Angst!

Ich finde es so schade, dass werdenden Mamis so viel Angst gemacht wird und so die Vorfreude unter einem Berg von Sorgen untergeht. Kann Frau denn überhaupt eine schöne Geburt erleben, wenn sie schon mit Ängsten und aufwallender Panik das Krankenhaus betritt? Ich denke nicht.

Was wäre, wenn man einer werdenden Mutter von dem wunderbaren Moment berichtet, in dem man sein Baby das erste Mal auf den Bauch gelegt bekommt? Wenn man vom zarten Duft eines kleinen Babys erzählt? Man könnte erzählen wie besonders es ist, wenn aus Männern Väter werden und wie strahlend die Augen der Großeltern funkeln, wenn sie das erste Mal ihre Enkel im Arm halten. Es gibt neben all der Anstrengung und den Schmerzen so viel auf das man sich freuen kann und darf. Und vielleicht hilft man damit einer Frau sich gelassener und enthusiastischer auf ihren neuen Lebensabschnitt vorzubereiten.

Wie heißt es so schön? Vorfreude ist die schönste Freude – warum also nicht auch auf die Geburt?

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