Wahrnehmung des Babys - Teil 2

Entwicklung der Sinne: Tastsinn

10.Jan 2017
Deutsch

Während die akustischen und visuellen Sinneseindrücke im Mutterleib noch relativ beschränkt sind, gibt es bereits sehr viel zu ertasten – und dein Baby macht von dieser Möglichkeit rege Gebrauch. Der Tastsinn ist der am besten entwickelte Sinn, wenn dein Kind auf die Welt kommt. Schon in der achten Schwangerschaftswoche beginnt er sich auszubilden. In der geschützten Umgebung im Bauch testet dein Baby bereits unterschiedliche Lagen und Stellungen und bildet auf diese Weise eine erste Vorstellung von seinem Körper aus.

Wahrnehmung des Babys - Teil 2

Foto: Shutterstock

Mund und Hände als Werkzeuge zum Be-greifen

Das Bild ist dir vermutlich bestens vertraut: Bekommt ein Baby einen unbekannten Gegenstand in die Hand, wird er meist auf direktem Weg zum Mund geführt. Der Grund dafür ist schnell gefunden: Der Mund ist das empfindlichste Tastorgan und eignet sich damit hervorragend, um Gegenständen im wahrsten Sinne des Wortes auf den Zahn zu fühlen. Die Form und Beschaffenheit eines Gegenstandes können Kinder bereits ab der Geburt über den Mund genauestens erfassen – und später wiedererkennen. Die Entwicklung des Tastsinns schreitet nach der Geburt natürlich auch bei unserem wichtigsten Greifwerkzeug, den Händen, fort. Erst mit etwa 18 Monaten kann Dein Liebling mit den Händen allerdings so feine Unterschiede wahrnehmen wie mit dem Mund.

Von der langen Leitung zur schnellen Reaktion

Ein anderer Bereich des Tastsinns entwickelt sich ab der Geburt ebenfalls kontinuierlich weiter – und schließt seine Verbesserung bis ins hohe Alter nicht ab. Bei diesem niemals völlig abgeschlossenen Lernprozess geht es um die Schnelligkeit der Reizweiterleitung. Kinder bis zum 6. Lebensmonat reagieren vergleichsweise langsam, wenn sie beispielsweise mit einer heißen Herdplatte in Berührung kommen. Erst ab diesem Lebensalter sind die Nervenenden im Rückenmark und im Gehirn vollständig mit der Substanz Myelin umgeben, die die Weiterleitung der Reize enorm beschleunigt. Der Myelinisierungsprozess sorgt auch bei späteren Lernerfahrungen für die zunehmend schnellere Reaktion. Sind dir die Abläufe beim Autofahren vertraut und du reagierst fast automatisiert, so sind die hier geforderten Nervenenden nun mit einer ausreichend dicken Myelinschicht umgeben.

Soweit so gut. Doch nun fragst du dich, wie du den Tastsinn meines Babys positiv fördern kannst? Nun, dein Baby erkundet seine Welt mit dem Mund– und genau dafür kannst du alle nötigen Voraussetzungen schaffen. Solange ein Gegenstand nicht gefährlich ist, sollte dein Nachwuchs ihn mit dem Mund erkunden dürfen. Willst Du dein Kind auf einen neuen Gegenstand aufmerksam machen, gib ihm diesen am besten in die Hand – und lasse ihn damit frei verfahren. Auch durch regelmäßige Kuscheleinheiten und intensiven Körperkontakt regst du den Tastsinn grundsätzlich an und förderst damit die Entwicklung deines Sprösslings. Diese Berührungen kommen natürlich auch der seelischen Entwicklung zugute – von Mutter oder Vater und Kind. 

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