Wann ist der beste Zeitpunkt fürs zweite Kind?

Blog Gastartikel: Von guten Eltern

05.Feb 2019
Deutsch

Gastbloggerin Anja vom Blog Von Guten Eltern schreibt über die vielen Überlegungen, die man sich machen sollte, bevor man das zweite Kind bekommt.

Wann ist der beste Zeitpunkt fürs zweite Kind?

Sobald man mehr als ein Kind hat, wird man oft zum Thema weitere Familienplanung gefragt. Zum einen hören wir oft die Frage, ob wir uns schon immer eine „große Familie“ mit vier Kindern vorgestellt haben. Zum anderen geht es oft um den vermeintlich besten Abstand zwischen Geschwistern. Unsere Kinder sind mit Abständen zwischen 2,5 und 4,5 Jahren geboren. Rückblickend war das immer der vermeintlich beste Abstand. Das lag aber sicher mit daran, dass es nie konkrete Pläne gab - weder in Bezug auf die Anzahl noch auf das „Familienplanungstempo“.
 

Wünsche vs. Realität

Der Grund dafür ist einfach. In meinem Berufsalltag als Hebamme erlebe ich weitaus häufiger die Situation, dass sich die Familienplanung eben nicht wirklich planen lässt. Natürlich gibt es Frauen, die relativ schnell zum gewünschten Zeitpunkt schwanger werden. Bei vielen ist das aber nicht der Fall. Mal muss besonders lange auf ein weiteres Kind gewartet werden. Mal kommt ein Baby so unverhofft und überraschend, dass dies auch nicht so ganz dem „eigentlichen Plan“ entspricht. 

Nicht nur einmal habe ich erlebt, dass Eltern, die nur schwer und mit viel reproduktionsmedizinischer Hilfe ihr Wunschkind bekamen, ganz unverhofft und recht bald nach der Geburt erneut ein Baby erwarteten. Nach dem ersten „Schreck“ überwiegt dann zum Glück fast immer die Vorfreude. Wobei man realistisch sagen muss, dass eine Schwangerschaft im ersten Jahr nach einer Geburt schon eine besondere Herausforderung darstellt. Denn der Körper ist eigentlich noch dabei sich von der vorherigen Schwangerschaft und der Geburt zu erholen. Dennoch scheinen die körperlichen Kapazitäten doch so ausreichend zu sein, dass sich eben ein weiteres Kind auf den Weg macht.

Neben den körperlichen Aspekten ist natürlich auch eine Schwangerschaft, in der zeitgleich ein Baby mit all seinen hohen Bedürfnissen umsorgt werden muss, unter Umständen eine Belastung. Auch die Zeit nach der Geburt mit zwei sehr kleinen Kindern hat ihre Herausforderungen. Eine gute Unterstützung ist in solchen Situationen besonders wichtig. Das gilt aber auch für Mehrlingseltern, die zwei oder drei Babys auf einmal haben.
 

Der empfohlene Abstand von einem Jahr

Um aber eine Überlastung auf vielen Ebenen zu vermeiden, wird offiziell schon ein Abstand von mindestens einem Jahr zwischen Geburt und dem Eintritt einer erneuten Schwangerschaft empfohlen.  So reduzieren sich auch gesundheitliche Risiken im Schwangerschaftsverlauf. Geplant werden sollte also eine Schwangerschaft besser erst nach dem ersten Lebensjahr. So können auch mögliche Geburtsverletzungen oder auch eine Kaiserschnittnarbe ausreichend heilen. Auch für den Beckenboden ist eine Regenerationszeit nach der Geburt wichtig. Aber wie anfangs erwähnt, schleichen sich manche Kinder sogar trotz entsprechender Verhütung recht schnell ins Leben ihrer Eltern.

 

Geschwisterbande

Die Frage nach dem idealen Abstand bezieht sich oft auch darauf, wie Geschwister miteinander unterwegs sein werden. Natürlich sind die Interessen näher beieinander, wenn der Abstand nicht zu groß ist. Aber ob und wie viel diese Geschwister später miteinander spielen werden, lässt sich ohnehin nicht sagen. Denn es kommt ja nicht ein weiteres identisches Kind dazu, sondern ein ganz anderer kleiner Mensch mit einem individuellen Temperament und eigenen Interessen. 

Auch Geschwister mit einem sehr großen Abstand können einen sehr enge Bindung haben und später viel Zeit miteinander verbringen. Der größere Abstand reduziert auf jeden Fall das Konfliktpotential. Je geringer der Abstand, desto größer ist meist der „Kampf“ um die elterlichen Ressourcen. Das ist logisch, weil kleinere Kinder viel mehr elterliche Begleitung in allen Bereichen brauchen. Auch die Geduld, auf etwas warten zu können, prägt sich ja erst nach und nach aus. Mit sehr unterschiedlich alten Geschwistern wiederum kann es manchmal schwierig sein, Unternehmungen als Familie zu planen, die für alle Kinder zum gleichen Zeitpunkt interessant sind.

Alles hat also Vor- und Nachteile. Und alle Geschwister haben ohnehin ihre ganz eigene Dynamik miteinander. Je mehr Kinder in einer Familie leben, desto mehr werden Eltern verschiedene Lebenssituationen gleichzeitig begleiten. Hier bei uns ist vom Kleinkind bis zum Kind in der Pubertät gerade alles vertreten. Das ist nicht immer einfach, aber bestimmt auch nicht langweilig.
 

Planen, was sich oft nicht planen lässt

Hätten wird das anders oder womöglich sogar besser planen können? Wären kleinere oder größere Abstände sinnvoller? Ich glaube nicht, weil sich Familie eben nicht wirklich planen lässt. Wir wissen als Eltern nicht, welche Herausforderungen uns später wirklich erwarten. Und vor allem wissen wir doch nie, wann ein weiteres Kind bereit ist, zu uns zu kommen. 

Darum kann ich bis heute keine abschließende Antwort auf diese Frage geben. Für uns hat das alles so gepasst, wie es ist. In dem Moment, wo klar war, dass ein weiteres Kind unterwegs war, war es der perfekte Zeitpunkt. Trotz aller manchmal vermeintlichen Umstände drum herum. Dieses Gefühl, dass es genauso gut ist, wie es ist, haben mir schon viele Eltern im Freundeskreis aber auch in der Hebammenarbeit beschrieben. Wahrscheinlich ist das auch einfach ein guter Weg, mit der ohnehin nicht verlässlich planbaren Familienplanung umzugehen.

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