Wann kommt das Baby?

Blog-Gastartikel Von Guten Eltern

04.Aug 2016
Deutsch

Unsere Gastbloggerin und Hebamme Anja vom Blog Von Guten Eltern beantwortet mit ihrer heutigen Kolumne so einige Fragen rund um den Geburtstermin. Äußerst lesenswert! 

Wann kommt das Baby?

Foto: © Von Guten Eltern

„Wann kommt denn das Baby?“ Im Sommer, wenn nur wenig Stoff den Babybauch verhüllt, kommt diese Frage meist weit vor dem errechneten Geburtstermin, weil Menschen die Bauchgröße analysieren und daraus ableiten, dass es ja bald soweit wäre. Dabei hat die reine Größe des Bauches wenig Aussagekraft zum Geburtstermin. Denn genauso unterschiedlich wie Babys und Menschen im allgemeinen sind, so verhält es sich auch mit dem Schwangerschaftsbauch. Es gibt viele Gründe, die alle im Bereich des Normalen liegen, warum ein Babybauch kleiner oder größer ist.

Doch selbst, wenn der ET, also der errechnete Geburtstermin, bekannt ist, weiß eine Mutter noch lange nicht, wann ihr Baby nun kommen wird. Denn dieser Termin ist nur ein Anhaltspunkt, um den möglichen Geburtszeitraum zeitlich etwas einzugrenzen. Realistisch kommen tatsächlich die meisten Kinder vor und nach diesem Termin zur Welt. Die Schwangerschaftswochen 37+0 bis 41+6 gelten als normaler Rahmen, in dem ein Baby sich auf den Weg in die Welt macht. Das sind aber immerhin fünf Wochen. Und es sind fünf Wochen, in denen die Mutter die Verbindung zu ihrem Kind genießen kann in dem Vertrauen, dass es schon wissen wird, wann der richtige Geburtszeitpunkt gekommen ist. Oder fünf Wochen, in denen sie durch die Fragerei ihres Umfeldes völlig verrückt gemacht werden kann. 

Wenn sich eine Mutter eine Hebamme für die Geburt in der Klinik, im Geburtshaus oder zu Hause gesucht hat, sind diese fünf Wochen auch der Zeitraum, in dem die Hebamme in Rufbereitschaft ist. In Bereitschaft also, Mutter und Kind auf ihrem Geburtsweg zu begleiten, wann auch immer dieser nun sein mag. Die letzten Wochen der Schwangerschaft dienen dazu, sich auf die Geburt vorzubereiten und sich mental darauf einzulassen. Doch das geschieht in einem ganz eigenen und individuellen Prozess für Mutter und Kind. Es ist ein Prozess, der sich von außen nicht beschleunigen lässt – auch nicht durch ständiges Nachfragen oder Interpretieren aller möglichen Anzeichen.

Am besten unterstützt man eine werdende Mutter in den letzten Tagen und Wochen vor der Geburt also, in dem man fragt, wie es ihr geht und ob man ihr etwas Gutes tun kann. Kaum eine Schwangere wird von dieser Nachfrage genervt sein, weil diese so genug Raum für Rückzug lässt, der sich für manche Schwangere in dieser Zeit am besten anfühlt. Vom ständigen „Und wann kommt das Baby nun?“ hingegen fühlen sich viele Frauen belästigt und gedrängt. Wenn sie selbst von ihren persönlichen Empfindungen diesbezüglich sprechen möchten, ist das etwas anderes. Aber auf die ständige Nachfragerei kann man eigentlich sehr gut verzichten und stattdessen die Geburt einfach ein bisschen jenes unplanbare Wunder sein lassen, das sie eigentlich ist.

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