Warum sich Falsch-Singer überwinden sollten, möglichst viele Kinderlieder anzustimmen

Blog Gastartikel: Micky von Salon Papa

04.Nov 2019
Deutsch

Singen tut einfach gut, Singen ist Balsam für die Seele, heißt es. Vorausgesetzt man kann es. Aber auch wenn das mit den richtigen Tönen und mit Melodien oder Text nicht so hinhaut, ist das kein Grund stumm zu bleiben. Micky vom Blog Salon Papa singt falsch, aber für Little Big Heart gewährt er einen Einblick in seine Sing-along Charts und erzählt, warum sein falscher Gesang ein Lächeln in das Gesicht seiner Tochter zaubert.

Papa und Tochter

Foto: Salon Papa

Sing a Song

Ich bin kein großer Sänger, das war ich noch nie. Ich meine nicht, dass ich schlecht singe, sondern dass es grottig ist. Also wirklich schlecht. Ich kann keinen Ton halten, merke mir weder Texte noch Melodien und mein Repertoire hält sich auch in Grenzen. Mein Gesang ist so schlecht, dass sogar das Singen meiner Frau wie das Zwitschern eines Singvogels klingt. (Und ihr Gesang ist bei Freunden und Familie gefürchtet.)
Jetzt bin ich mir natürlich bewusst, dass ich niemals bei einer Castingshow teilnehmen würde und, dass ich auch keinen Cent als Straßenmusikant verdienen würde – außer die Passanten würden mich bezahlen, um aufzuhören. Ich singe nicht mal unter der Dusche, weil es einfach nicht zu meinen Stärken gehört. Ehrlich gesagt, ist es meine größte Schwäche.

Wir haben allerdings relativ schnell bemerkt, dass Rosa Musik liebt. Sie hört gerne zu, sie beruhigt sich, wenn sie unruhig ist und lauscht mit gespitzten Ohren und Augen, die dann manchmal auch ganz klein werden. Also haben wir schnell begonnen, die Schlaflieder aus unserer Kindheit auszupacken und haben tief in unserem Gedächtnis gegraben, um uns an Text und Melodien zu erinnern. Von Le le lu bis Leise rieselt der Schnee, egal ob es thematisch passt oder nicht, Rosa liebt unser falsches Gejaule. Meistens werden ihre Augen davon in Kürze müde und fallen zu. Wenn wir also mit dem Auto fahren und die Fahrt länger dauert als geplant, beginnen wir einen Song nach dem anderen zu singen – manchmal in Endlosschleife – aber das ist unserer Tochter egal.

Und das sind sie nun, die Songs, die wir in Dauerrotation singen:
 

Ich gehe mit meiner Laterne

Ich gehe mit meiner Laterne war der erste Song, der mir eingefallen ist, als ich mit Rosa alleine war und sie abends in den Schlaf wiegen wollte. Sie mochte den Song. Das Einschlafen hat beim ersten, beim zweiten und beim dritten Mal funktioniert. Und auch nach dem hundertsten Mal verliert der Kindergarten Klassiker nicht an Wirkung. Ob Rosa den Song irgendwann partout nicht ausstehen kann, ist eine andere Frage.
 

Hallelujah

Ich muss vorweg schicken, dass weder meine Frau noch ich klassische Kirchengänger sind. Wir feiern Weihnachten und Ostern, in der Kirche lassen wir uns nur blicken, wenn wir beim Sightseeing eine Kerze anzünden und trotzdem haben es Hallelujah und Vaterunser in unsere „Rosa Charts“ geschafft. Hallelujah klingt bei uns wie eine Mischung aus I am Sailing und Kirchenchor. Aber wir kennen den Text (weil auch nicht viel Text in dem Lied vorkommt, außer Halleluja) und Rosa liebt die langgezogenen Töne. Ich sage nicht, dass ich den Ton schon einmal getroffen – geschweige denn gehalten – hätte. Notfalls hilft Leonard Cohen im Lautsprecher aus.
 

Morning has broken

Ich habe vor einigen Monaten ein Liederbuch von einem Sportler mitgenommen, den ich trainiere. Er meinte, dass die Songs bei Kindern Wunder wirken. Meine Frau hat sich das Buch geschnappt und darin die Lyrics und Noten von Morning has broken entdeckt. Einmal gesungen, wurde es schnell ihr und dann auch eines von Rosas Lieblingsliedern. Morning has broken wirkt auch beim Einschlafen und beim Windel wechseln.
 

The lion sleeps tonight

Den Song haben wir schon leise, laut, langsam und schnell gesungen. Wir haben ihn gerappt, im Kanon zum Besten gegeben und er wirkt jedes Mal wie eine Wundertüre. Entweder Rosa beginnt zu weinen, oder sie schaut uns verträumt an. Aber The lion sleeps tonight wird in jedem Fall zumindest angestimmt.
 

Oh Tannenbaum

Das erste Mal haben wir Oh Tannenbaum im Mai gesungen und das liegt nicht daran, dass wir Weihnachtsjunkies sind, sondern, dass uns irgendwann die Songs ausgegangen sind, bei denen wir beide mitsingen können. Und Weihnachtslieder kann einfach jeder. Der Song hat keine spezielle Wirkung auf Rosa, sie hört zu und beruhigt sich. Der Nachteil für uns, wir haben den Song von Mai bis Oktober schon totgesungen. Ich glaube nicht, dass wir ihn zu Weihnachten nochmal singen werden.

Und die Moral von der Geschicht, lass das Singen lieber nicht.
Wir können es wirklich beide nicht, aber wir merken, dass diese Momente mit Rosa, wenn wir gemeinsam singen einfach besonders und intim sind. Und ich beginne zu verstehen, warum Hausmusik in der Vergangenheit etwas Verbindendes war, bei dem die ganze Familie zusammenkam.

Und apropos Familie. Meine südafrikanische Mama singt englische Kindersongs und meine kroatische Schwiegermama stimmt kroatische Songs für Rosa an. Warum wir vor allem die Beziehung zwischen Nona (Oma) und ihrer Enkelin außerdem so besonders finden, erfahrt ihr in meinem Gastartikel „Wenn die Oma bei der Tür reinkommt und ihren Dienst antritt“.

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