Wenn alle anderen Babys durchschlafen

Blog Gastartikel: Lächeln und Winken

02.Jan 2018
Deutsch

Wenn man ein Baby hat, das auch nach den ersten 6 Lebensmonaten keine Anstalten macht, endlich „durchschlafen“ zu wollen, dann hagelt es von allen Seiten Ratschläge. Das kann echt nervig sein, findet Gastbloggerin Anke von Lächeln und Winken.

Wenn alle anderen Babys durchschlafen

Meine mittlerweile vierjährige Tochter schlief als Baby so unterirdisch schlecht, dass ich zeitweise darüber nachdachte, das Thema Schlaf zumindest für mich vorübergehend einfach ganz zu streichen. War natürlich Unsinn. Schließlich brauchen auch Mamis ihren Schlaf! Wobei ich das für einen Fehler der Natur halte – Mütter sollten wenigstens die ersten drei Jahre mit Kind komplett ohne Schlaf auskommen können. Besonders, wenn das Kind ein Schlafverhalten wie ein Wecker mit Schluckauf an den Tag legt.

 

Das hatte ich anders bestellt.

Da meine Tochter die ersten 7 Monate ausschließlich mit Körperkontakt schlief, dennoch stündlich aufwachte und danach mehr als 2 Jahre jede Nacht 2-3 Stunden wach war, bestellte ich mein zweites Kind mit Durchschlaf-Funktion. Leider war ein solches Exemplar offenbar nicht lieferbar, als mein Sohn geboren wurde, denn selbst jetzt noch – mit über einem Jahr – schafft er maximal 2 Stunden am Stück. Ich liebe meine Kinder natürlich beide sehr. Aber dieses Schlaf-Desaster nervt. Und nur eines nervt mich noch mehr, als der reine Entzug: die ungefragten, guten Ratschläge von all den Müttern, deren Babys auf wundersame Weise von Anfang an durchschlafen.

 

Danke, aber Nein danke!

Grundsätzlich habe ich nichts gegen von Herzen kommende Ratschläge. Allerdings sind die eher selten – deutlich öfter werden Mamis von schlecht schlafenden Babys von oben herab Tipps von Müttern serviert, die eigentlich gar keine Ahnung haben:
„Mein Sohn schläft schon 10 Stunden am Stück seit er 3 Wochen alt ist. Ich sag dir jetzt mal, wie ich das hinbekommen habe!“ begann letztens eine Frau recht plump ein Gespräch mit mir. Ich wusste, was käme. Nämlich „Tricks“ aus der Kategorie: „Ich mache das Zimmer immer ganz dunkel!“ (Wow, wäre ich nie draufgekommen!) oder „Rituale sind wichtig!“ (Ach, echt?) oder „Du musst das Baby schreien lassen, irgendwann gibt es auf!“ (Oh ja, der Dauerbrenner unter den schlimmen Ratschlägen!). Also würgte ich sie direkt ab und sagte lächelnd: „Freu dich, du hattest Glück! Sofort durchschlafende Babys sind selten!“ Zack, nerviges Gespräch im Keim erstickt.

Heute kann ich so reagieren, weil ich heute, bei meinem zweiten Ich-kontrolliere-alle-45-Minuten-ob-die-Mama-noch-da-ist-Baby, weiß: Es liegt nicht an mir, meinen Fähigkeiten als Mutter, oder gar an irgendwelchen Techniken, ob mein Kind gut schläft. Es liegt allein an der Hirnreife. Und vielleicht noch schlicht am Typ Baby. Ich lasse mich daher nicht mehr doof von der Seite beratschlagen. Hätte ich diese Einstellung und dieses Wissen doch vor vier Jahren schon gehabt... es hätte mir viel Stress und Selbstzweifel erspart! 

Sende diese Seite an einen Freund