Wenn das schlechte Gewissen mit in die Arbeit fährt

Gastartikel: Puls 4 Moderatorin Bianca Schwarzjirg

23.März 2020
Deutsch

Cafe Puls Lady Bianca Schwarzjirg ist nach 3 Monaten wieder zurück in den Job gegangen. Die Reaktionen aus ihrem Umfeld waren zweigeteilt. Sie hat schnell gemerkt, dass Jammern als Mama nicht mehr erlaubt ist. Wird Schwäche eingestanden, ist das für Außenstehende ein klares Anzeichen, dass Arbeit & Familie nicht vereinbar sind. Die Puls 4 Moderatorin berichtet offen über ihr darauf zurückzuführendes schlechtes Gewissen und ihren Umgang mit Stress, Schlaflosigkeit und Müdigkeit.

Mama und Baby im Bett

Foto: Dominique Hammer

Ich bin Mama. Und ich arbeite. Ich arbeite gerne und viel. Und ich habe es satt mich immer dafür zu rechtfertigen.

Mein Wecker läutet um 2:50, um 3:24 habe ich spätestens das Haus verlassen. Wenn meine Tochter Rosa friedlich schlummert und mein Mann über ihren Schlaf wacht, fahre ich durch die schlafende Stadt und bin unterwegs zum Sender, um Österreich aufzuwecken. Ich liebe meinen Job und ich arbeite gerne.Neben meiner Sendung betreue ich verschiedene Projekte und suche stets neue Herausforderungen. Manchmal wird es ein bisserl viel und dann schleicht sie zur Müdigkeit und dem Zeitmangel auch oftmals das schlechte Gewissen ein. Und das ist etwas an dem ich nicht nur selbst schuld bin. 

Von ganz vielen Seiten – von Freunden, Bekannten, Verwandten und Kollegen – kommen immer wieder Ratschläge und Wortmeldungen, mit denen sie meine Situation als arbeitende Mama nicht nur kommentieren, sondern auch bewerten.Als Mama verlässt man das Krankenhaus nun mal nicht nur mit dem Baby, sondern auch mit dem schlechten Gewissen im Gepäck.

Schon in meiner Schwangerschaft habe ich mir vorgenommen ehrlich darüber zu sprechen, wie es mir als Mami geht. Klar, manchmal wäre es einfacher zu sagen, dass alles wunderbar ist und dass es kein Problem ist, alles unter einen Hut zu bekommen. Dass alles nur eine Sache von Organisationist und mit der notwendigen Hilfe alles möglich ist. Aber das wäre nur die halbe Wahrheit. Denn auch wenn die Organisation einer Familie etwas komplett Neues ist und viel Disziplin von allen Seiten erfordert, heißt das nicht, dass es damit reibungslos funktioniert. Denn müde und erschöpft zu sein, gehört genauso dazu wie die unsagbaren Glückmomente mit unserer kleinen Zwetschke.

Je länger ich nun jedoch Mami bin, desto mehr frage ich mich ob es wirklich sinnvoll ist Gefühle, Gedanken und Sorgen nach außen zu tragen,denn das Feedback ist nicht etwa aufbauend oder motivierend – wie man es erwarten würde – sondern oft zermürbend, wertend und bemängelnd. Und das von Menschen, die einem zum Teil richtig nahestehen und nicht wissen, was sie damit auslösen. Manche Aussagen machen mich unsicher und kitzeln das schlechte Gewissen ganz schön hervor, das ich als arbeitende Mami doch sowieso schon habe.

Erzähle ich zum Beispiel, dass ich ausgelaugt und müde bin, dann mache ich das, weil es mir gerade so geht. Dann weiß ich meistens selbst, dass das Pensum zu viel ist und ich dringend auch mal Zeit für mich brauchen würde. Einen der Sätze, die mich nicht aufbauen, sondern an mir zweifeln lassen, habe ich von einem netten älteren Mann gehört. „Sie sind nicht die erste Frau, die arbeitet und ein Kind hat.“Das weiß ich, denke ich mir, und überlege ob es nicht manchmal doch besser wäre einfach nichts zu sagen, vor allem nichts darüber, dass ich arbeite und Mama bin.

Das letzte Zusatzprojekt, das ich gemacht habe, hat unfassbar viel Zeit in Anspruch genommen und viel mehr von mir abverlangt als mir lieb war. Ich habe es trotzdem toll gefunden und jede Minute geliebt, in der ich gelernt und mich weiterentwickelt habe. Am späten Nachmittag bin ich todmüde nach Hause gekommen und habe mich gefreut Rosa zu sehen. Wohlwissend, dass noch nicht alles erledigt war, habe ich mich dann wieder zum Computer gesetzt, um den Rest aufzuarbeiten. Das schlechte Gewissen war vorprogrammiert.Nachdem ich Rosa ins Bett gebracht habe, habe ich mich also nicht nur einmal gefragt wie ich das Ganze schaffen und unter einen Hut bringen soll.  Einem guten Freund habe ich eines Sonntagnachmittags mein Herz ausgeschüttet. Eigentlich ein gebildeter Mann – der keine Kinder hat. Er hört mir zu und sagt, „Das geht sich einfach nicht aus. Dein Beruf, deine Familie und deine Tochter.“

Ich traue meinen Ohren kaum, denn gerade von ihm hätte ich mir Verständnis und Zuspruch erwartet. Oder zumindest einen lösungsorientierten Ansatz.

Fragen wie „Wo ist dein Baby, wenn du so früh arbeiten gehst?“, „Hast du kein schlechtes Gewissen, wenn du den ganzen Tag weg bist“? will ich hier erst gar nicht erörtern.

Als Mami reicht es nicht mehr, die beste Version seiner selbst zu sein.Es reicht nicht, alles im Job zu geben und eine tolle Mami zu sein, denn für die anderen, macht man es in diesem Fall so oder so nie richtig. Jeder hat seine Meinung und seine Wahrheit. Jeder wertet und bewertet. Die wenigsten hören zu und wollen wirklich wissen, wieso man sich für den Job entscheidet und dagegen 24h mit dem eigenen Kind zu verbringen.

Ich habe in der Zwischenzeit aufgehört, mich zu rechtfertigen, denn für mich zählt nur, was ich möchte und welche Version einer Frau ich für meine Tochter bin.Ich möchte ihr die Frau vorleben, die für sie ein Rolemodel sein kann. Ob sie das dann so sieht oder nicht, wird sie – wenn es soweit ist – ohnehin selbst entscheiden.

Weitere Gedanken zum Thema Mama sein als Person in der Öffentlichkeit, schilderte Bianca in unserem gemeinsamen Interview.

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