Wenn dich der Nestbau-Trieb nachts wachhält

Blog Gastartikel: Mama Rocks

02.Dez 2018
Deutsch

Mitten in der Nacht die Wickelkommode einräumen oder unter starken Schmerzen das Kinderzimmer einrichten: Gastbloggerin Deborah vom Blog Mama Rocks erzählt, was sie in den letzten Monaten der Schwangerschaft alles gemacht hat, um dem Nestbau-Trieb nachzugehen.

Wenn dich der Nestbau-Trieb nachts wachhält

Foto: Mama Rocks

Es ist morgens um 4 Uhr. Statt im Bett zu liegen, sitze ich vor der Wickelkommode. Ich reiße die frischgewaschene, liebevoll zusammengefaltete Babykleidung heraus. Nur, um sie noch akkurater zusammenzufalten und neu zu sortieren. Etwa 90 Minuten später bin ich endlich wieder im Bett.

Man könnte meinen, der schwangerschaftsbedingte Reflux habe mich nicht schlafen lassen. Klar, Säure im Mund ist nicht wahnsinnig förderlich für einen ruhigen Schlaf. Aber in Wirklichkeit hat mich etwas ganz anderes aus dem warmen Bett getrieben: der Nestbautrieb.
 

Einen sicheren Ort für das Baby schaffen

Der Nestbautrieb ist kein Schwangerschaftsmythos, sondern inzwischen wissenschaftlich bewiesen. Genauso wie auch Nager und Vögel verspüren wir Menschen den innigen Drang, einen möglichst sicheren, gemütlichen und sauberen Ort für unseren zukünftigen Nachwuchs einzurichten. Oder eben ein Nest.

Der Nestbautrieb schafft schon vor der Geburt eine innige Bindung zu Baby. So groß ist die Liebe, dass alles möglichst perfekt für den kleinen Menschen sein soll. Und ganz im Inneren fühlen wir werdenden Mamas wohl auch, dass nach der Geburt das Chaos reagieren wird. Und so versuchen wir eben in diesen Monaten und Wochen zuvor alles so gut wie möglich zu kontrollieren. Alles so makellos wie möglich zu gestalten.
 

Alles soll perfekt sein

Das kann zu ganz absurden Situationen führen: so bin ich etwa mit schrecklich geschwollenen Beinen (Schwangerschaftsvergiftung sei Dank) stundenlang durch die Stadt gewatschelt, weil ich den perfekten Body für meine ungeborenen Tochter einfach nicht fand. Natürlich kaufte ich in dieser Zeit mindestens 20 Bodys – in Grösse 50 und 56, lang- und kurzärmlig, aus Baumwolle, Seide und Schurwolle. Trotzdem trieb mich dieses Gefühl von Unruhe immer weiter an. Bis mich der zukünftige Papa nach Hause zurückbeorderte.

Oder die Tatsache, dass ich während meiner zweiten Schwangerschaft jede freie Sekunde dazu nutzte, das zukünftige gemeinsame Zimmer unserer beiden Kinder einzurichten. Ich hatte eine Symphysenlockerung und konnte mich nur noch unter starken Schmerzen bewegen. Trotzdem ließ mich der Nestbautrieb auch Leitern klettern, um Wandtattoos anzubringen, fluchend Ikea-Möbel zusammenbauen und Vintage-Spielsachen auf den Balkon schleppen, um ihnen dort einen neuen Anstrich zu verpassen. In diesem Zimmer schläft übrigens auch zehn Monate nach der Geburt keines unserer beiden Kinder…

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