Wenn die Oma bei der Tür reinkommt und ihren Dienst antritt

Blog Gastartikel: Micky vom Blog Salon Papa

13.Aug 2019
Deutsch

Omas und Opas sind als Aufpasser bei Jungfamilien nicht mehr wegzudenken. Sie sind entspannter, haben mehr Zeit und hetzen nicht durch den Alltag. Ohne unsere Nona wäre der Wiedereinstieg in den Job, der Hausbau und die Charity Run Organisation niemals möglich. Mit ihr bringen wir alles unter einen Hut und leben wie eine Großfamilie – auch wenn wir nicht unter einem Dach wohnen. Gastblogger Micky vom Blog Salon Papa erzählt von seinem Alltag und der Beziehung mit der Oma, die bei der jungen Familie Nona heißt.

Oma mit Baby

Foto: Jenni Koller

Als ich noch ein Kind war, habe ich meine beiden Großmütter geliebt. Wobei sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Die eine lebte in einem klassischen schicken Vorort in Südafrika. Sie hatte Pferde, Bedienstete und nahm mich immer zu ihren Dinner Partys mit. Die andere lebte in der Nähe von Warschau, zwickte mich mit Vorliebe fest in die Wange und servierte polnische Krautrouladen. Aber eines hatten sie gemein: Ich durfte lange aufbleiben, sie hatten viel Zeit für mich und streng waren sie beide nicht.

Während ich meine Großeltern leider viel zu selten - und zwar nur in den Ferien - gesehen habe, ist unsere Nona von Tag eins an Teil der Familie und für uns alle nicht mehr wegzudenken. Weder für unsere Tochter Rosa, noch für mich oder meine Frau. Wir leben zwar nicht in einem Haushalt, aber Nona ist immer dann zur Stelle, wenn wir sie brauchen. (Und das ist ziemlich oft!)

Nona ist die Mama meiner Frau. Sie ist keine klassische Oma, wie sie im Buche steht. Sie ist Mitte 60, sportlich, fit und agil. Sie ist adrett gekleidet und bei jedem „Dienstantritt“ strahlt sie. Wir sind nicht nur dankbar, dass sie uns so unterstützt und hilft, sondern wir sehen auch, dass sie bei der ihr bekannten alten, aber doch auch neuen Aufgabe aufblüht.

Das Kennenlernen zwischen Großmutter Nona und ihrer Enkelin hat schon im Krankenhaus begonnen und die Liebe war von Tag eins an offensichtlich. Egal um welche Uhrzeit sie bei uns ist, sie wirkt gelassen, ruhig und zufrieden, als wenn sie ein Leben lang für diesen Job geübt hätte.

Das liegt sicher auch daran, dass sie nicht so wie wir durch den Alltag hetzt und dort einen Anruf erledigen muss und da eine E-Mail zu beantworten hat. Nona ist auch nicht so Smartphone-fixiert wie wir - wobei auch sie schon eine beachtliche Sammlung an Rosa Fotos auf ihrem Handy hat. Rosa liebt diese Quality Time mit ihrer Großmutter, wenn die Aufmerksamkeit ganz und gar ihr gilt. Da wird vorgesungen, vorgelesen, mit ihr gespielt, und beim Mittagsschlaf wacht Nona mit einem Buch direkt neben Rosas Bett.
 

Und was hat Nona davon?

Während Nona in den letzten Jahren nach ihrer Pensionierung alleine zu Hause war und sich auf Nonos Nachhausekommen am Abend gefreut hat, hat sie jetzt wieder eine Aufgabe, die sie erfüllt und die sie mit Leidenschaft erledigt. Sie sagt immer, dass es das schönste Geschenk war Nona zu werden und, dass es keine wertvollere Zeit gibt, als Rosa zu beobachten. Ich darf behaupten, dass sie nicht weniger verliebt in unsere Tochter ist, als meine Frau und ich. Rosa hält unsere Nona jetzt schon fit, obwohl sie noch nicht mal laufen kann. Die beiden spazieren gemeinsam durch die Wohnung, tanzen einen Hühnertanz oder machen lange Spaziergänge im Park. Nona geht plötzlich auch zum Arzt, obwohl sie diese Besuche immer verweigert hat. Ihre Begründung: Für Rosa muss ich ja fit sein. Plötzlich wird für sie auch Gesundheit und Bewegung wieder ein riesen Thema, denn in den Zukunftsplänen der Großeltern gibt es keinen Satz mehr ohne Rosa.

Für uns war von Anfang an klar, dass wir die Unterstützung unserer Nona annehmen. Momentan sieht es nach einer wunderbaren Situation für alle aus. Rosa hat einen vertrauten Aufpasser, einen Spielgefährten und einen „guten Dritten“. Nona hat eine Aufgabe und sie wird nicht müde zu sagen, wie sehr die kleine Enkelin ihr Herz erfüllt und sie zum Lachen bringt.

Und wir? Wir sind unendliche dankbar, dass wir uns auf Nona so sehr verlassen und ihr vertrauen können. Für meine Frau war es übrigens von Anfang an klar, dass es nur ihre Mama ist, die in den ersten Monaten auf Rosa aufpassen darf. Das Urvertrauen einer Mama in ihre eigene Mama kann man wahrscheinlich als Mann nur ansatzweise nachvollziehen. Aber mit der Wahl bin ich in jedem Fall auch sehr zufrieden.

Erst gestern Abend haben wir wieder darüber gesprochen, wie schön und besonders es für Rosa ist, so eine enge Bindung zur ihrer Nona zu haben und wie sich das Verhältnis in den kommenden Jahren ändern wird. Momentan ist sie Aufpasserin und Spielgefährtin, später Freundin und Diskussionspartnerin und über all dem ist sie auch eine wunderbare Mentorin für unsere Tochter.

Und wen auch die Sicht von Rosas Mama interessiert, kann gerne bei diesem Interview vorbeischauen!

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