Windelfrei von Anfang an

Geht das überhaupt?

03.Apr 2020
Deutsch

Wer an ein Baby denkt, hat automatisch Schnuller, Kinderwagen und natürlich Windeln im Kopf. Aber: muss letzteres denn wirklich sein? Windelfrei lebende Familien sind überzeugt, dass dem nicht so ist. Was ist dran an windelfrei und wie geht das überhaupt?


Foto: Shutterstock
 

Was heißt „windelfrei“?

Grundsätzlich geht es für darum, das Baby mit viel Achtsamkeit zu begleiten, eine besondere Kommunikation oder Bindung aufzubauen und dem Kind auf diese Weise zu helfen, immer selbstständiger zu werden. Im Fall von windelfrei dreht es sich im Speziellen um das Signalisieren des Bedürfnisses rund um die Ausscheidungen des Körpers.

Es handelt sich also nicht um eine Erziehungsmethode oder ein Lernprogramm, um dem Baby die Windel abzugewöhnen oder möglichst schnell „trocken“ zu werden, sondern um das Erkennen von Signalen seitens des Kindes. Diese können auch nonverbale Gesichtsausdrücke, Gesten oder Verhaltensweisen sein – alles Dinge, die selbst Neugeborene schon können.

Eltern und/oder betreuende Personen sollen erkennen, wann das Baby „muss“ und halten es über Toilette, Waschbecken oder Töpfchen. In Windelfrei-Fachsprache heißt der Vorgang darum auch „abhalten“.

Windeln werden dadurch einfach unnötig. Aber ist das so einfach?

 

Wie wird man windelfrei?

Durch Übung, Beobachtung und den Willen, sich ganz und gar mit seinem Kind auseinanderzusetzen. Es erfordert viel Nähe und eine besondere Art von Aufmerksamkeit, denn windelfrei ist kein „Konditionierungsprogramm“ oder „Sauberkeitstraining“. Das Kind soll nichts lernen, vielmehr sollen die Eltern begreifen, was das Baby braucht und was es ihnen mitteilt.

 

Ist windelfrei schädlich für das Baby?

Richtig angewandt ist windelfrei keinesfalls schädlich oder nachteilig für das Baby. Das Schlimmste, das passieren kann, ist eine nasse oder volle Hose – und das wird eher die Eltern unter Zugzwang setzen als das Kind, das auch in der Windel nicht immer im Trockenen sitzt.

Dem Baby wird niemals etwas aufgezwungen, antrainiert oder gar abgewöhnt.

Es geht, wie gesagt, um eine besondere Kommunikation zwischen (hauptsächlich) Eltern und Kind.

 

Ist windelfrei nicht mühsam?

Das lässt sich nicht beantworten, denn jede Familie ist unterschiedlich und Vorstellungen wie Umstände individuell. Manche finden wickeln mühsam, andere das ständige Beobachten des Babys. Es ist aber auch nicht nötig, ganz strikt zu sein – in bestimmten Situationen kann eine Windel vielleicht einfacher sein und man kann danach wieder zum windelfreien Leben zurückkehren.

 

Ab wann geht windelfrei?

Sofort nach der Geburt. Wie ein Kind sein Ausscheidungsbedürfnis zeigt, ändert sich natürlich je nach Entwicklungsstand. Eltern von windelfreien Kindern geben übrigens an, dass Babys, die windelfrei gewöhnt sind, sich auch nachts melden.

 

Vor- und Nachteile

Ein eindeutiger faktischer Vorteil ist natürlich die Ersparnis der Ausgaben für Windeln – und das sind eine Menge im Laufe eines Kinderlebens. Außerdem fällt bei windelfreien Familien später der Übergang von der Windel zum Trockenwerden weg. Windelausschläge sind ebenfalls kein Thema. Viele sehen auch die besondere Bindung zum Kind als Vorteil – hier scheiden sich aber die Geister.

Manche Kritiker sehen nämlich genau darin ein Problem. Diese spezielle Form der Eltern-Kind-Beziehung erfordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit – und zwar meistens der Mutter, besonders wenn außerdem gestillt wird. Sie ist dadurch sehr stark an das Baby gebunden und kann es, wenn wirklich nie Windeln verwendet werden, nur schwer abgeben.

Fakt ist: das Thema polarisiert. Solltest du dich dafür interessieren, probiere es einfach selbst einmal aus!

 

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Quellen:
https://windelfrei.at/
https://www.derstandard.at/story/1350261534978/windelfrei-unten-ohne

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