Zeit zu zweit - trotz Familie

Gastartikel: Puls 4 Moderatorin Bianca Schwarzjirg

13.Apr 2020
Deutsch

Wenn die guten Vorsätze von Date Nights nicht mehr halten und die Zeit zu zweit immer rarer wird, muss man andere Wege finden, um die Liebe als Paar zu leben. Cafe Puls Moderatorin Bianca Schwarzjirg erzählt von ihrem ersten gemeinsamen Wochenende mit Mann ohne Tochter Rosa. Und wie alles anders kam, als gedacht.

Paar beim Skifahren

Foto: Michael Ornauer

Wir sind jetzt seit über einem Jahr Eltern. Unsere Familie steht an erster Stelle. Wir lieben unser Tochter Rosa über alles und mit ihr zu kuscheln, sie nur anzuschauen und mit ihr zu spielen ist wunderbar. Jeden Abend, wenn sie schon schläft, schaue ich ihr beim Schlafen zu und bewundere den perfekten Mund, die langen Wimpern und den kleinen warmen Körper. Die Zuneigung einer Mama ist wahrlich grenzenlos.

Die überschwängliche Liebe für Rosa ist ungebrochen und wächst von Tag zu Tag. Aber was ist eigentlich mit mir passiert, frage ich mich manchmal? Und was ist aus meiner Liebesbeziehung zu meinem Mann geworden?

Unsere Zeit ist immer weniger geworden und wenn wir ein paar Minuten oder Stunden zu zweit haben, dann reden wir über Rosa, die Planung des nächsten Tages oder was bei unserer Hausrenovierung alles ansteht. Super romantisch ist das nicht. Und manchmal ertappe ich mich dabei, dass mich ein Gefühl von Angst beschleicht, dass wir das Paar-sein auf Später verschieben.

Kurz nach Rosas Geburt waren wir noch guter Dinge. Wir hatten uns ein Date pro Woche vorgestellt und haben uns anfangs auch daran gehalten. Wir sind Essen gegangen, oder Spazieren oder ins Theater. Dann sind Projekte dazugekommen und wir sind umgezogen. Aus der Renovierung unseres Hauses ist eine Generalsanierung geworden und unsere einzigen Themen waren plötzlich nur noch das Haus und Rosa.

„Und was ist mit uns?“ haben wir uns in den letzten Monaten immer wieder gefragt. Wir müssen dringend wegfahren, am besten an einen Strand mit viel Sonne und einfach nur mal Zeit zu zweit haben. Das Coronavirus hat uns dann einen Strich durch die Rechnung gemacht und statt dem dringend notwendigen Urlaub zu zweit sind wir zu Hause geblieben. Zu dritt.

Unser erstes Wochenende alleine haben wir dann trotzdem noch gehabt. Ein Wochenende in den Bergen und zwar genau da, wo uns NIEMAND kennt.

Micky hat Rosa mit einer großen Tasche bei Nona (unserer Oma) abgegeben. Die kleine Maus hat sich so sehr gefreut und gejuchzt und geschrien als sie ihre Oma gesehen hat, dass sie nicht mal bemerkt hat, dass Micky gegangen ist. Zu groß war die Aufregung bei der heißgeliebten Oma zu sein.

Bevor wir losgefahren sind, musste ich auch nochmal bei meiner Mama vorbeischauen... Rosa hat ihr heißgeliebtes Pferd vergessen, das musste ich ihr einfach noch vorbeibringen. (Das habe ich mir zumindest eingebildet. Rosa hätte es nicht mal gemerkt.)

Und dann sind wir losgefahren, zu zweit in die Berge. Bei der Hinfahrt war ich so müde, dass ich geschlafen habe. Bei der Rückfahrt auch. Und dazwischen war ich kaum für Gespräche zu gebrauchen, weil ich einfach fertig war und die Zeit genossen habe, auch mal für mich zu sein. Wir haben die Bergluft geatmet, sind spazieren gegangen, haben gut gegessen und ganz viel geschlafen.

Ein Wochenende mit schlechtem Ausgang? Nein, keineswegs. Ich liebe die Gesellschaft und die Nähe meines Mannes, ich rede gerne mit ihm und tausche mich mit ihm aus. Aber manchmal braucht man auch ein bisschen Zeit für sich, um dann wieder ganz für den Partner da zu sein.

Wahrscheinlich haben Micky und ich schon lange nicht mehr so wenig miteinander gesprochen wie an unserem ersten Paar-Wochenende, seit Rosa auf der Welt ist. Aber für unsere Verbundenheit braucht es nicht immer viele oder große Worte. Es ist manchmal auch schön, einfach die Ruhe miteinander zu genießen, um dann gemeinsam wieder den Alltag zu meistern.

Und wie der Alltag bei uns dann tatsächlich aussieht, habe ich in diesem Interview verraten.

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