Zu wenig Milch

Kein Grund zum Abstillen

21.Mai 2020
Deutsch

Die meisten Frauen wollen stillen, schließlich gibt eine gute Stillbeziehung nicht nur die beste Nahrung für das Kind, sondern auch den Müttern ein gutes Gefühl. Es stärkt die Bindung und das Selbstvertrauen. Doch nicht immer läuft alles harmonisch und reibungslos. Eine der häufigsten Ursachen für ungewollt frühes Abstillen ist die Angst, zu wenig Milch zu haben. Aber muss man deswegen wirklich aufhören?


Foto: Ksenia Makagonova via Unsplash

Die Milchproduktion

Die Hormone nach der Geburt und das Saugen des Kindes an der Brust (oder der Milchpumpe) lösen den Milcheinschuss aus – den Start der Stillbeziehung. Anfangs kommen nur wenige Tropfen Muttermilch, das wertvolle Kolostrum, aus der Brust. Später kann die Menge auf bis zu einen halben Liter ansteigen.

 

Ursachen für zu wenig Milch

Es gibt tatsächlich medizinische Gründe, die zur Folge haben, dass die Milchproduktion nicht entsprechend funktioniert. Die Ursachen für zu wenig Milch können aber vielfältig sein:

  • Hormone: z.B. ein zu hoher Progesteronspiegel
  • Starker Blutverlust bei der Geburt
  • Erkrankungen der Schilddrüsen
  • Störungen der Hypophyse
  • Anatomische Gründe oder Erkrankungen bei Kind oder Mutter (Brust)
  • Falsches Anlegen und dadurch ineffizientes Saugen
  • Nicht optimales „Stillmanagement“: z.B. kein Stillen nach Bedarf, sondern nach Zeit
  • Trennung von Mutter du Kind nach der Geburt
  • Zufüttern von Wasser, Tee oder Ersatzmilch

Trotz der vielen Möglichkeiten ist es allerdings oft so, dass Mütter lediglich subjektiv das Gefühl haben, das Baby bekäme zu wenig Milch. Ob das Kind tatsächlich unterversorgt ist, kann nur ein Arzt, eine Ärztin oder auch eine Hebamme in der Nachbetreuung beurteilen. Die Ursache für die irrationale Angst ist leicht nachvollziehbar: stillende Mütter sehen nicht, wie viel Milch das Baby trinkt. Die Brüste sind meist nur anfangs sehr voll, später werden sie weicher, obwohl absolut genug Milch produziert wird. Außerdem sind Babys häufig unruhig und weinen – nicht nur, weil sie hungrig sind. Möchte ein Kind plötzlich sehr häufig stillen, liegt das meistens an einem Wachstumsschub und nicht daran, dass es generell zu wenig Milch erhält.

Manchmal wird das Wiegen des Kindes vor und nach dem Stillen empfohlen, um die getrunkene Menge zu kontrollieren. Beachte aber, dass das enormen psychischen Druck ausüben kann – doch gerade Stress verhindert eine gute Stillbeziehung.

 

Woran erkennt man, dass man zu wenig Milch hat?

Es gibt einige Faktoren, die zeigen, ob ein Baby genug trinkt:

  • Durchschnittliche Gewichtszunahme*:
    0–2 Monate ca. 170 bis 330g
    2–4 Monate ca. 110 bis 330g
    4–6 Monate ca. 70 bis 140g
    6–12 Monate ca. 40 bis 110g
     
  • Aussehen/Verhalten:
    rosige Haut, gute Hautspannung, aufmerksames Verhalten, Kind ist aktiv
     
  • Volle Windeln:
    nach dem Milcheinschuss füllt das Baby in 24 Stunden ca. 5 Windeln mit Urin. Der Stuhlgang ändert sich mit der Zeit in Menge sowie Häufigkeit und ist daher kein Indikator für eine gute Versorgung. Wie sich eine volle Windel anfühlt, kannst du so testen: gieße 6 Esslöffel mit Wasser auf eine Windel und nimm sie danach in die Hand.

 

Woran erkennt man, dass das Baby beim Stillen Milch bekommt?

  • das „Andocken“ kann etwas schmerzhaft sein, danach ist das Stillen aber schmerzlos
  • es kribbelt oder zieht, wenn der Milchspendereflex ausgelöst wird
  • manchmal beginnt die andere Brust auch zu rinnen
  • das Baby hat möglichst viel vom Warzenhof im Mund, nicht nur die Spitze
  • du hörst oder siehst, wie das Baby schluckt - bei vielen Kindern bewegt sich das Kiefer oder sogar die Ohren
  • das Baby wechselt von schnellem Saugen zu langen, rhythmischen Zügen
  • das Baby lässt sich während des Trinkens nicht einfach von der Brust nehmen, sondern das „Saugvakuum“ muss erst gelöst werden (z.B. indem du den kleinen Finger sanft in den Mundwinkel schiebst). So kann das Kind sehr effektiv saugen, d.h. wenn die Stillmahlzeiten nach einiger Zeit kürzer dauern, heißt das nicht, dass das Baby weniger Milch bekommt – es hat einfach gelernt, wie es die Milch am besten aus der Brust bekommt. Sollte dein Kind länger an der Brust sein als davor: auch das heißt nicht, dass du zu wenig Milch hast, das Saugbedürfnis ist im ersten Jahr sehr groß Das Saugen gibt nicht nur Nahrung, sondern auch Nähe, wirkt schmerzlindernd und stressmindernd.

 

Was tun, wenn es doch zu wenig Milch ist?

Solltest du die ärztliche Bestätigung haben, dass dein Kind zu wenig Milch bekommt, ist das dennoch kein Grund zum Abstillen. Muttermilch enthält viele wertvolle Inhaltsstoffe – sie ist wie eine sehr köstliche Schluckimpfung mit Antikörpern gegen Krankheiten und Hilfe für das kindliche Immunsystem. Möglichkeiten sind:

  • frühzeitig eine Stillberaterin kontaktieren, um das Anlegen und Stillmanagement zu prüfen und eventuell zu optimieren
  • Zwiemilchernährung: Zufüttern mit Fingerfeeder, Brustset oder Flasche
  • Abpumpen und Muttermilch zufüttern

Keinen Hinweis auf Wirksamkeit gibt es bei sogenannten „Stilltees“ oder Nahrungsmitteln, welche die Milchmenge steigern sollen**. Einzig die Reduktion der Milchmenge kann durch Hausmittel beeinflusst werden. Möchte man abstillen, wird dazu Salbeitee empfohlen.

Stillen nach Bedarf: das Kind sollte so oft und so lange trinken, wie es möchte.**

 

Wie die Milchmenge gesteigert werden kann

Der Grundsatz lautet: die Nachfrage regelt das Angebot. Je häufiger der Säugling angelegt oder gepumpt wird, desto mehr Milch wird produziert. Wichtig ist dabei die Häufigkeit des Anlegens an jeder Brust und dass das Baby so lange trinken darf, wie es möchte***.

 

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Saugverwirrung – Mythos oder Realität?

 

Quellen:

*https://www.lalecheliga.de/images/Infoblaetter/LLL_Trinkt_mein_Baby_genug_Milch.pdf

**https://www.lalecheliga.de/stillinformationen/milchbildung/nachfrage-ang...

***https://www.lalecheliga.de/images/Infoblaetter/LLL_So_fliesst_reichlich_Muttermilch.pdf

https://www.mambaby.com/fileadmin/media/brochures/Consumer_Deutsch/Broschuere_Entdecke-die-Welt-des-Stillens.pdf

http://www.stillen-institut.com/de/zu-wenig-milch.html

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