Zwangsbeschönigung der Schwangerschaft

Blog Gastartikel: Little Paper Plane

22.Jan 2019
Deutsch

Muss eine Schwangerschaft immer schön und erfüllend sein? Und wieso werden einem plötzlich so viele Erwartungen entgegengebracht, wenn man eine Babykugel unterm Herzen trägt? Das fragt sich Gastautorin Evelyn von Little Paper Plane.

Zwangsbeschönigung der Schwangerschaft

Foto: Shutterstock

Es beginnt eigentlich in dem Moment, wenn der Schwangerschaftstest positiv ist. Plötzlich prallen einem Unmengen an Erwartungen entgegen, mit denen man nicht gerechnet hatte. In der Kugelzeit soll man sich ausschließlich gesund ernähren, sich gut fühlen, den Glow mit Stolz tragen und sich nicht beschweren. Es soll alles immer perfekt sein und das zieht sich dann bis hin zur Geburt (und natürlich über diese hinaus), die soll nämlich „erfüllend“ sein und das Baby „brav“.

Im Englischen gibt es dafür ein Wort: Sugarcoating. Das bedeutet, man versüßt die Wahrheit mit Unmengen an Zuckerguss.

Und so kam es mir bei meinen Schwangerschaften auch vor. Irgendwie hatte ich das Gefühl glücklich sein zu müssen, um in die hellblau-rosarote Pinterest-Welt zu passen. Aber ich fühlte mich weder hübsch noch wohl mit meiner wachsenden Babykugel, im Gegenteil. Ich war geplagt von 1001 Wehwehchen wie Schmerzen, Wassereinlagerungen und Schlaflosigkeit. Und ich fühlte mich eher wie eine Kuh als eine strahlende Schönheit. Wenn ich das aber laut aussprach, dass ich es wirklich nicht genieße schwanger zu sein, dass es für mich nur Mittel zum Zweck ist um endlich ein Baby zu bekommen, dann stieß ich meist auf ein verlegenes Lächeln und auf Antworten, die keine waren. Aber nicht jede Frau kann es nun mal „genießen“ schwanger zu sein, auch wenn es von uns zukünftigen Mamas erwartet wird.

Klar, als Kinderlose muss man auch Erwartungen erfüllen, aber man ist nicht für ein anderes Lebewesen verantwortlich – das ändert sich in dem Moment, ab dem man weiß, dass man schwanger ist. So wird unter anderem erwartet, dass wir die Wahrheit sugarcoaten, dass wir sagen, alles wäre so schön und magisch und bezaubernd wie die Leute es eben hören wollen. Niemand will uns über Sodbrennen und Hämorrhoiden klagen hören. Und wenn das Baby da ist, dann geht das Ganze natürlich noch weiter. Dann wird erwartet, dass wir unsere Bedürfnisse stets hintenanstellen, dass wir stillen, dass wir uns über den Etappenschlaf und die Schreikrämpfe des Babys nicht beklagen, sondern dass wir das einfach so hinnehmen, weil es nun mal „so ist“. Und ja, es ist natürlich so, aber das bedeutet nicht, dass wir nicht darüber reden dürfen, dass wir müde, ausgelaugt und genervt sind. Denn auch das gehört dazu.

Und was die Erwartungen betrifft: Wir sollten vielleicht lernen, nur unseren eigenen Erwartungen gerecht werden zu wollen (und diese vielleicht eine Spur weiter unten anzusetzen). Und auf das Sugarcoaten sollten wir ganz verzichten, von zu viel Zucker bekommt man nämlich Karies... ;-)

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