Zwillinge! (K)ein Grund zur Panik

Blog Gastartikel: Einer schreit immer

08.Feb 2019
Deutsch

Du erwartest Zwillinge? Angst, Vorfreude und Ungewissheit machen sich breit. Gastbloggerin Neffa vom Blog Einer schreit immer hat eine Portion Mut für dich parat.

Zwillinge! (K)ein Grund zur Panik

Herzlichen Glückwunsch – es werden Zwillinge! Ganz ehrlich liebe werdende Zwillingsmama – wie hast du reagiert, als du von deinem doppelten Glück erfahren hast? Warst du glücklich, überrascht, euphorisch? Oder doch eher schockiert und wärst fast vom Stuhl gefallen? Auf die frohe Botschaft über den Nachwuchs im Doppelpack kann man sich nicht vorbereiten und zu der Freude über den Anblick von gleich zwei schlagenden Herzchen gesellen sich unzählige Emotionen, die erst einmal sortiert werden müssen.
 

Bitte einsteigen, das Gedankenkarussell fährt los!

Die Gefühle fahren Achterbahn. Vielleicht wirst du ein schlechtes Gewissen haben, dass du dich nicht sofort über dieses besondere Geschenk freuen kannst, aber glaub mir, das ist ganz normal. Zu aller Vorfreude kommen dir Gedanken, die dich zweifeln lassen, ob du zwei Babys gleichzeitig überhaupt gerecht werden kannst. Du siehst gestresste Mütter, die hektisch Kinderwägen mit nur einem Kind schieben und denkst „Das Gleiche steht mir auch bevor, nur doppelt so anstrengend“. Vielleicht denkst du, du hättest dieses Glück gar nicht verdient, weil du Angst hast. Angst vor dem Versagen und Angst vor dem Unbekannten. Einlingsmütter haben so viele Gleichgesinnte mit denen sie sich austauschen können, eine andere Zwillingsmama zu finden, eine Verbündete, erscheint dir eventuell erstmal wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.
 

Don’t google with a Kugel

Ich kann dich so gut verstehen, liebe werdende Zwillingsmama, denn es ging mir genau wie dir. Und wie schon so vielen Mamas, die ratlos auf ihre Ultraschallbilder schauen und nicht wissen, ob sie lachen oder weinen sollen.

Hat man vorher eine Vorstellung wie es wird, wenn plötzlich gleich zwei Neugeborene einziehen? Ganz sicher nicht. Nur in seltenen Fällen hat man eine Freundin oder Verwandte, die hilfreiche Tipps geben kann.

Deshalb begibt man sich in die funkelnde Welt der Onlineforen, Instagram und Facebook auf die Suche nach Rat und Beistand. Aber was ich dort fand, hat mich nicht im Geringsten beruhigt, ganz im Gegenteil. Instagram zeigte mir hochglänzende Bilder von perfekten Müttern, die mit frisch manikürten Nägeln und einem rosigen Teint - ein Baby im Tragetuch und eins im Arm – in der blitzblank geputzten Küche standen und natürlich vor Glück nur so strahlten. In Facebook-Gruppen tauschten sich tiefenentspannte Mamis darüber aus, wohin der perfekte erste Urlaub mit den Neuankömmlingen gehen dürfe, denn es liefe ja alles wie am Schnürchen. Ich versuchte mich in dieser neuen Welt zurecht zu finden und dennoch musste ich feststellen, „So bin ich gar nicht“. Ich bin eher die Mama, die auch ohne Kinder planlos durchs Leben läuft. Eine, die ihren Kaffee im Stehen frühstückt und erst auf der Arbeit feststellt, dass der Pullover falsch herum angezogen war. Weder Kochen noch Backen gehören zu meinen Stärken, noch habe ich die leiseste Ahnung von Baby-Yoga oder Neugeborenen-Schwimmkursen – und was zum Teufel ist eigentlich dieses Pucken!?
 

Hör nicht auf die anderen!

Als würden die endlosen Weiten des Internets nicht genügen jede werdende Mama in blanke Panik zu versetzen, so gibt es doch noch eine reale Welt, die dazu ihr übriges tut. Die Reaktionen über die Verkündung deiner Schwangerschaft werden natürlich vielfältig sein. Unter alle, die dir „viel Glück“ wünschen (was ja auch besonders motivierend klingt) mischen sich so einige, die offensichtlich deine Verunsicherung ins Unermessliche steigern möchten. „Wirst du damit fertig?“, „Traut ihr euch das zu?“ oder einfach „Ach du Scheiße…“. Manchmal fühlst du dich, als würdest du an einer schweren Krankheit leiden statt schwanger zu sein oder wärst vom Karma zur Höchststrafe verurteilt worden. Dabei geht es doch um Babys…? Was ist, wenn ich das einfach nicht schaffe?
 

Liebe werdende Zwillingsmama, es ist OK, wenn du Angst hast. Das hatten wir alle…

In diesem Moment sitzt du vor dem Handy oder PC und liest diese Zeilen. Während du scrollst schlagen drei Herzen in deinem Körper. Vier kleine Hände tasten nach deiner Hand, die du beschützend auf deinen wachsenden Bauch legst. Vier Füße strampeln, mal sanft, mal schon ganz sportlich und können es nicht erwarten in deine Arme zu laufen. Zwei kleine Seelen spüren deine Unsicherheit und es geht ihnen wie dir, denn es liegen noch zwei ganze Leben vor ihnen.

Du fragst dich, ob du eine gute Zwillingsmutter werden kannst? Ich verrate dir etwas – du bist es schon! Von dem Moment an, an dem die beiden winzigen Wesen dich als ihre Mama ausgewählt haben bist du eine Zwillingsmama und wirst es immer sein. Deine Sorgen und Nöte, die dir den Schlaf rauben sind richtig und wichtig, denn sie zeigen, dass du dich um deine Kinder sorgst und sie behütest, obwohl sie nicht mal auf der Welt sind. Du liebst deine Kinder obwohl du sie nicht mal kennengelernt hast. Und sie lieben auch dich jetzt schon.

Du wirst Lieder singen und dabei in vier strahlende Augen schauen. Vier kleine Arme werden sich um deinen Hals legen und in jedes Ohr flüstert jemand „Ich hab dich lieb, Mama!“. Du wirst manchmal an deine Grenzen kommen, aber dort feststellen, deine Kinder warten dort schon auf dich und gehen gemeinsam mit dir diesen Weg. Hand in Hand mit ihrer perfekt-unperfekten Mama.

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